2. teil: roma-laas/lasa – 30.05.-22.06.08

italien / italy

26. tag frei, 30.05.08 – castello fusano-bracciano – 77 km / 581 hm sonnig

ein sprung in das kristallklare wasser des lago di bracciano, dem trinkwasser-reservoir roms vulkanischen ursprungs, an dessen ufer ich den schönsten aller bisherigen zeltplätze finde, ist der vorläufige abschluss der heutigen etappe, die mich überraschend einfach und schnell vom süden zum nordwesten roms geführt hat. nach einer stippvisite an der von touristen überfluteten spanischen treppe und einem abschieds-cappuccino in einer abseits des rummels gefundenen typisch römischen bar finde ich über die via cassia schnell meinen weg aus rom und genieße die fahrt durch eine von getreide- und olivenanbau geprägte hügellandschaft. der plötzliche ausblick auf bracciano mit seinem dominierenden wuchtigen kastell und den wunderschön von bergen umsäumten lago di bracciano lassen mich geradezu aufatmen nach der hektik der hauptstadt.

27. tag – samstag, 31.05.08 – bracciano (ruhetag) sonnig

spontan entscheide ich mich, angesichts der wunderbaren lage meines zeltplatzes auf dem campingplatz porticciolo und des guten wetters, einen badetag am seeufer einzulegen. so pflege ich mich, überlege die weitere route, lese und brassele ein wenig und lass ansonsten den lieben gott einen guten mann sein.

28. tag – so, 01.06.08 – bracciano-pescia romana – 100 km / 782 hm sonnig

bis an die küste bei tarquinia führt mich die heutige, recht anspruchsvolle strecke durch eine dünn besiedelte, gefällige hügellandschaft, die einmal mehr belegt, dass italien nicht nur an den küsten und den touristisch bekannten orten wunderschön ist. die friedliche landschaft mit ihrer üppigen, blühenden vegtation sowie kleine orte wie veiano und barbarano romano mit ihrer wehrhaften bauweise und verwinkelten straßen sind besondere beispiele dafür.

dazu kommt ein unerwartetes kulturelles erlebnis, das mich sehr beeindruckt. bei der ortseinfahrt nach tarquinia halte ich spontan an, um die dort ausgegrabenen etruskischen, rund 2.500 jahre alten grabstätten zu besuchen, die unterirdisch angelegt und mit kunstvollen wand- und deckenmalereien aufwändig ausgestattet sind. 60 stück, nur 5 % der tatsächlich entdeckten stätten, sind freigelegt.

weniger schön verläuft dann der rest der strecke über die leider alternativlose ss1 ‚via aurelia‘, die zum glück wochenendbedingt etwas weniger stark befahren ist. bei pescia romana komme ich auf einem wegen des morgigen nationalfeiertages total überfüllten, von grillqualm verseuchten und lauten campingplatz unter.

29. tag – mo, 02.06.08 – pescia romana-castiglione – 100 km / 126 hm 02-unterschiedl-bewolktetw-regen.jpg

über diesen tag gibt es eigentlich nichts gutes zu berichten:

  • abfahrt in zunächst leichtem, schließlich heftigem regen, der sich gegen mittag zwar legt, aber nur, um
  • einem kräftigen gegenwind platz zu machen.
  • 60 km über die unausweichliche ‚via aurelia‘, auf der wegen des frühzeitigen rückreiseverkehrs (wohnmobile en masse!) und eines meist fehlenden seitenstreifens die fahrt zu einem wahren horrortrip wird.

zu erwähnen wäre noch der lkw-fahrer, für den es offensichtlich völlig unverständlich blieb, dass ich seine einladung, mich angesichts des strömenden regens mitzunehmen, höflich, aber entschieden aussschlug.

der abschluss, nach erreichen von grosetto, versöhnt dann wieder ein wenig: eine ruhige fahrt durch wunderbare pinienwälder bei plötzlich wieder einsetzendem sonnenschein und ankunft in dem hübschen fischerstädtchen und badeort castiglione della pescaia. von dem etwas außerhalb gegelegenem traum-campingplatz ‚maremma sans souci‘ sind es nur noch gut 50 km, die ich morgen nach pombinio zurücklegen muss, um nach elba überzusetzen.

30. tag – di, 03.06.08 – castiglione d. p.-enfola (elba) – 55 km / 332 hm sonnig

alles hat seinen preis: bevor ich das traumhaft schöne capo d’enfola auf elba erreiche, muss ich erst gegen einen heftigen gegenwind ankämpfen, zwei kleine pässe, die wenig attraktive strecke zwischen follonica und piombino sowie die fahrt durch diese industriestadt und den ausgangshafen nach elba bewältigen.

dann aber hält die weitere kurze stecke bereits alles, was das, von einer mächtigen burganlage dominierte, panorama von portoferraia beim anfahren des hafens verspricht: eine nur wenig besiedelte, von üppiger vegtation bedeckte, grüne insel, geprägt von den bis auf über 1.000 m aufragenden, steil in’s meer abfallenden bergen und sich eng an die küste oder die steilen hänge anschmiegenden, hübschen orten.

der angesteuerte campingplatz ‚enfola‘, malerisch und verträumt oberhalb einer kleinen landzunge mit eigenem strand gelegen, lädt sofort zu längerem verweilen ein.

31. tag – mi, 04.06.08 – enfola-enfola (westrunde) – 78 km / 1.195 hm 02-unterschiedl-bewolktetw-regen.jpg

bei strahlendem sonnenschein mache ich mich auf, eine gepäckfreie erkundungsrunde im westen der insel anzugehen, um kurz darauf, beim anstieg auf den monte capabanna, bereits in einen aus tatsächlich heiterem himmel fallenden regenguss zu geraten. doch mit weiterer fahrt verbessert sich auch das wetter, und die landschaftlichen schönheiten eröffnen sich quasi im minutentakt: von einer meist relativ hoch über dem meer verlaufenden küstenstraße bieten sich immer wieder überraschende ausblicke auf malerische, türkisfarben leuchtende badebuchten, dramatische steilhänge oder hübsche fischerorte wie marina di marciana, st. andrea, chiessi oder fetovaia.

zurück in enfola beginne ich nach einem erfrischenden bad im glasklaren meer, meine angedachte reiseroute zu überdenken, um meinen aufenthalt auf dieser trauminsel, die mich ischia bereits hat vergessen lassen, auszuweiten.

32. tag – do, 05.06.08 – enfola (ruhetag) 06-bewolkt-schauer-gewitter.jpg / sonnig

heute ist nur baden, schnorcheln und faulenzen geplant, aber einige feuerquallen und das intermezzo eines heftigen gewitters sorgen für unerwartete abwechslung, was mich jedoch wenig berührt, da ich eh noch ein wenig hier bleiben werde und die sonne auch kurz drauf wieder scheint.

33. tag – frei, 06.06.08 – enfola-enfola (ostrunde) – 56 km / 756 hm meist sonnig

kann mich einfach nicht zur abreise entschließen und unternehme so eine runde über die noch nicht erkundete osthälfte der insel – nicht wissend, welche extrem-klettertour mich auf dem weg nach volterraia, eine hoch auf einem felsen gelegene klosterruine, erwartet. 11 % im durchschnitt, 18 % maxinal-steigung, und das über eine distanz von 7 km sind der preis für eine dann allerdings traumaussicht über die bucht von portoferraia und weite teile der insel sowie eine sich dann bald anschließende abfahrt nach porto azzuro mit seinen schönen badestränden.

gegen ende des tages, offensichtlich noch nicht ausreichend ausgelastet, mache ich mich noch zu einem einstündigen marsch an das capo d’enfola auf, vorbei an alten befestigungsanlagen der italienier und deutschen im 2. weltkrieg, um die engländer auf korsika zu kontrollieren, dessen silouette ich im dunst der nachmittagssonne vom aufgrund seiner felsformationen sehr beeindruckenden kap erahnen kann.

34. tag – sa, 07.06.08 – enfola (ruhetag) sonnig

und wieder entschließe ich mich, noch einen tag zu bleiben. es ist einfach zu schön hier, und außerdem bietet sich die gelegenheit zu einem tauchgang mit tauchlehrer und -gerät – nach mehr als 20 jahren des erste mal wieder. auch wenn die unterwasserflora und -fauna nicht mit dem erleben damals im roten meer vergleichbar ist, wird diese exkursion doch zu einem besonders schönen erlebnis.

35. tag – so, 08.06.09 – enfola/elba-volterra – 101 km / 773 hm meist sonnig / 06-bewolkt-schauer-gewitter.jpg

der ausblick auf das sich von der einst von den medici zur kontrolle der bevölkerung erbauten mächtigen burg von volterra darbietende landschaftspanorama, raubt nicht nur den atem, sondern lässt auch den letzten anhauch von wehmut verschwinden, den ich beim abschied von der küste des thyrrenischen meeres bei cecina empfunden habe. allerdings haben das vorausgegangene kräftige gewitter sowie der sich dann anschließende doppelt schweißtreibende anstieg nach volterra mit rund 360 höhenmetern auf den letzten 3 km dazu auch ein wenig beigetragen.

doch das beinahe alles vergessen lässt ein im fußball-em auftaktmatch glänzend aufspielender podolski, dessen zwei tore gegen polen ich als einziger deutscher unter rund 15 alten italienischen fußballfans in guter stimmung emotional feiere.

36. tag – mo, 09.06.08 – volterra-siena – 65 km / 830 hm meist sonnig / 02-unterschiedl-bewolktetw-regen.jpg

da heute nur eine kurzdistanz ansteht, lasse ich es ruhig angehen. bevor ich allerdings einen abstecher nach dem mir bereits von früheren toscana-reisen bekannten san gimimiano ernsthaft erwäge, hält mich ein unerwarteter speichenbruch im hinterrad unnötig auf. zum glück treffe ich ein radelndes ehepaar aus iowa/usa, das mir den zur vorhandenen ersatzspeiche fehlenden nippel schenkt und so die dann im 2. versuch erfolgreiche eigenreparatur ermöglicht.

leider haben sich einnmal mehr zum nachmittag gewitterwolken zusammengebraut, so dass ich siena mit seinen sehenswürdigkeiten wie die piazza del campo, ort des zweimal jährlich ausgetragenen und wohl berühmtesten pferderennens der welt, des palio di siena, und den leider auch eingerüsteten dom nur unter dunkelgrauem himmel erlebe.

der überraschend geschlossene campingplatz beschert mir eine ungeplante übernachtung im hostel, gemeinsam im zimmer mit dem australischen alleinradler will, und einen spannenden fußballabend mit einem klaren holland-sieg über italien.

37. tag – die, 10.06.08 – siena-florenz – 85 km / 1.213 hm meist sonnig

ein tag im chianti- rausch! – nicht etwa, dass ich diesem berühmtesten wein der welt zu sehr zugesagt hätte. ein früher start, eine relativ kurze tagesdistanz, also ausreichend zeit und dazu herrliches wetter – alles beste voraussetzungen, die besonderheiten dieser nicht minder berühmten region, die dem wein seinen namen gab, in vollen zügen zu genießen:

auf von olivenhainen, getreidefeldern und weingärten überzogenen berghängen oder -kuppen gelegene einzelhöfe, malerisch eingerahmt von zypressen und schirmpinien bedienen das landläufige klischee und bestätigen damit die einzigartige schönheit dieser landschaft.

da mag auch die letztlich erholsame abfahrt nach florenz, nach abwechslungsreichem auf und ab mit zum teil langen anstiegen, kaum begeistern, zumal ich hier wieder von dem scheinbar nie enden wollenden strom der internationalen touristen aufgesogen werde.

und dazu zwingt mich die effizienz der italienischen post, die ihre ämter nachmittags geschlossen hält, noch bis morgen zu bleiben, um dann mein nachschub-paket abholen zu können.

38. tag – mi, 11.06.08 – florenz-dovadola – 107 km / 1.114 hm meist sonnig

die erfahrungen mit der ‚poste italiane‘ erhalten heute eine weitere dimension, als ich erfahre, dass das aus ihren internet-informationen entnommene postamt gar keine postlagernden sendungen empfängt respektive ausgibt und auch bei den übrigen mir dann genannten, über die ganze stadt verstreuten und von mir angefahrenen filialen dieses staatsbetriebes meine nachschubpakete nicht vorliegen.

so verlasse ich florenz ohne neue kontaktlinsen, dafür aber mit wut im bauch sowie nochmals gekauften straßenkarten und büchern und mind. 2,5 stunden verspätung sowie 20 überflüssigen kilometern, froh, dem touristenrummel und abgasgestank zu entfliehen.

das freigesetzte adrenalin beflügelt mich allerdings so sehr, dass ich dennoch den nach der fahrt durch das arno- und dann sieve-tal beginnenden 20 km langen und zum schluss sehr mühsamen anstieg zum 907 m hohen ‚passo dei muraglione‘ angehe. zweimal habe ich dabei unter einsatz meiner letzten essensreserven einen beginnenden hungerast gerade noch abwehren können und bin froh, als ich die sich dann anschließende abfahrt – über eine distanz von 30 km! – beginnen kann.

der übergang von der toskanischen landschaft in die emiglia-romana beginnt zunächst unmerklich, doch zunehmend dichter wald und wuchtige graue felsformationen lösen die getreide- und weinfelder sowie das gewohnte sanfte terracotta endültig ab.

am späten abend finde ich dann im garten eines gepflegten bauernhofes im duft von rosmarin-sträuchern und unter weinranken und kirschbäumen einen herrlichen schlafplatz.

39. tag – do, 12.06.08 – dovadola-ravenna – 70 km / 65 hm 02-unterschiedl-bewolktetw-regen.jpg

übernachtung auf dem bauernhof heißt auch, mit den hühnern aufstehen, und so sitze ich bereits um kurz nach acht wieder im sattel, nicht aber, ohne mir in der nächsten bar erst noch ‚un cappucci e un cornetto marmelada‘ zu genehmigen.

nach weiteren 20 km leichter bergabfahrt erreiche ich die poebene und bin bereits mittags im zunächst entäuschenden, dann aber nach besichtigung der sehenswürdigkeiten beeindruckenden ravenna – eine stadt, die von und mit ihren mosaiken lebt. unbeschreiblich ist die pracht der mosaike in der san vitale basilika, dem galla placidia mausoleum oder der sant apollinare nuovo basilika, alles unesco welt-kulturerbe.

nun mache ich mich auf nach marina di ravennna an der adria-küste in erwartung eines weiteren spannenden und schönen em-spiels unserer nationalmannschaft, was dann allerdings eine enttäuschung wird – 1:2 gegen kroatien heißt: weiter zittern und jedenfalls nicht gruppenerster, also im viertelfinale gegen portugal – falls es weiter geht.

40. tag – frei, 13.06.08 – marina di ravenna (ruhetag) 02-unterschiedl-bewolktetw-regen.jpg

heute ist mir nach faulenzen und ‚eigenpflege‘ – also, wäsche waschen, ausgedehnte körperpflege, ein wenig sonnen, soweit es der launenhafte wettergott zulässt, und lesen. am leicht regnerischen nachmittag besuche ich dann die größte marina, die ich je gesehen habe und die noch in weiterem ausbau ist. unglaublich, welches kapital da im wasser liegt…

41. tag – sa, 14.06.08 ravenna-sottomarina – 108 km – 65 hm 06-bewolkt-schauer-gewitter.jpg / meist sonnig

nach einer heftigen gewitter- und sturmnacht stelle ich frühmorgens fest, dass mein zelt in einer sich zügig mit wasser füllenden senke steht, und packe und baue in windeseile ab, um mich dann im sturmregen – natürlich gegenwind! – auf den weg richtung venedig zu machen. jedes übel hat bekanntlich aber auch seine guten seiten, und so kann ich streckenweise über eine völlig leere landstraße fahren, da polizei und feuerwehr diese wegen der infolge unzähliger umgestürzter bäume notwendigen räumungsarbeiten über rund 15 km gesperrt haben – nicht aber für mich! da machen mir plötzlich gegenwind und regen viel weniger aus.

bei nachlassendem regen und sich verbessernden bedingungen genieße ich zusehends die fahrt durch die typische, fruchtbare po-delta landschaft mit ihren weiten ackerflächen, die sich mit von kanälen und kleinen teichen und seen durchzogenen sumpfflächen, biotope für unzählige vogelarten, abwechseln.

schließlich schaffe ich es bis sottomarina, 50 km vor venedig, wo ich den komfortablen campingplatz atlanta direkt am strand finde.

42. tag – so, 15.06.08 – sottomarina (badetag) meist sonnig

da am morgen überraschend die sonne scheint, entschließe ich mich zu einem strandtag und habe das glück, am benachbarten ‚organisierten strand‘ mit einer gruppe junger italienischer ‚machos‘ ein paar sätze volleyball spielen zu können. die mir zunächst quasi als eine art sozialer gnadenakt gewährte mitspielmöglichkeit wandelt sich bald in die nachhaltige aufforderung, doch ein ernsthafteres 4×4 spiel mitzumachen – es hat spaß gemacht!

43. tag – mo, 16.06.08 – sottomarina-fusina (venedig) – 49 km / 35 hm meist sonnig

trotz der heutigen kurzetappe mache ich mich früh auf, um genügend zeit für ein paar pflichtstunden im touristischen mekka venedig zu haben. allerdings kann ich mein unbehagen angesichts der menschenmassen, die sich durch diese wunderbare und einzigartige, von mir schon früher wiederholt besuchte stadt wälzen, kaum bezwingen, so dass ich mich bei gleichzeitig einer gewissen distanz zum geschehen um mich herum auf die besichtigung der ‚musts‘ beschränke. zu krass ist doch der unterschied zwischen der einsamkeit des radelns über ruhige straßen durch herrliche natur und dem touristischen, kommerziellen treiben in der lagunenstadt.

zurück im sehr schön an der lagune und verkehrsgünstig gelegenen campingplatz in fusina – schiffsverbindung nach venedig in unmittelbarer nähe – hoffe ich, dass unsere nationalmannschaft mich im heutigen em-spiel gegen österreich nicht wieder enttäuscht, was sie dann mit ihrem mageren 1:0 doch (fast) getan hat.

44. tag – di, 17.06.08 – fusina (venedig)-verona – 133 km / 245 hm meist sonnig/ 06-bewolkt-schauer-gewitter.jpg

weiter geht heute die fahrt durch die von unzähligen kanälen und seen durchzogene po-ebene bei zunächst frischem, später sehr warmem, aber jedenfalls sehr windigem wetter vorbei an unzähligen prachtvillen, an der straße über padua nach vicenza gelegen, deren reihe gekrönt wird durch die fast schloßartig ausgebaute villa pisana. allmählich verändert sich das landschaftsbild, das mit den ausläufern des apennin zunehmend hügelig wird und den typischen norditalienischen charakter aufweist: wunderbare landsitze, oft schlossähnlich ausgebaut und meist an berghängen gelegen, von zypressen ‚markiert‘, inmitten von weitläufigen weinfeldern.

ganz besonders beeindruckt mich mein heutiger zielort verona, ein juwel der renaissance, mit seiner einzigartigen lage an der etsch, umrahmt von einer malerischen bergkulisse. über die pittoreske ponte di pietra erschließe ich die gemütliche altstadt mit ihren hübschen gäßchen und symphatischen, aber – wie die piazza delle erbe oder piazza dei signori – architektonisch gleichermaßen beeindruckenden plätzen, dem dom santa maria matricolare oder den vielen prächtigen palästen, und genieße noch lange von der terrasse des hoch über der stadt gelegenen campingplatzes den blick auf das einzigartige, bei einem aufziehenden und sich in der nacht heftig entladenden gewitter zunehmend dramatische panorama.

45. tag- mi, 18.06.08 – verona-torbole/gardasee – 89 km / 215 hm meist sonnig

auch den heutigen vormittag widme ich nochmals einem besuch der schönen veroneser altstadt inklusive eines besuchs des julia-hauses mit dem balkon, von dem herab sie ihren romeo angeschmachtet hat. natürlich erfülle ich dabei auch meine touristische pflicht und streichele an ihrem standbild – allerdings mit äußerst geringer erotischer emotion – ihre rechte brust, was glück in der liebe, sexuelle potenz, treue der partnerin oder, was immer man davon gerade benötigt, schenken soll. ich denke jedenfalls, es kann ja nix schaden, oder?

einen weiteren höhepunkt erlebe ich in form der fahrt entlang des ostufers des garda-sees bei herrlichstem sonnenschein und einem kräftigen warmen südwind, der mich meinem heutigen ziel geradezu entgegenfliegen lässt. das tiefblaue wasser des sees vor der mächtigen, steil aufragenden gebirgskette am westufer lockt so verführerisch, dass ich spontan einen stopp einlege, meine radklamotten abstreife und ein erfrischendes bad nehme. so beflügelt erreiche ich am über 1.700 m hohen monte baldo vorbei bereits am nachmittag torbole, wo ich mich auf dem unmittelbar am nordufer gelegenen campingplatz für einen weiteren badetag entscheide.

ach ja, da war noch die bedienung im café in verona, die meine mir beim bezahlen entlockte reisegeschichte den gästen auf der caféterrasse lauthals berichtet und damit einen spontanen allseitigen applaus sowie nachträgliches verständnis für mein un-italienisch reichhaltiges und ausgiebiges zweite frühstück bewirkt.

46. tag – do, 19.06.08 – torbole (badetag) meist sonnig

faul am ufer liegend, sonnenbadend und ungewollt im wegdösen -verbrennend beobachte ich das treiben der windsurfer, für die der gardasee mit seinem kräftigen nord- (morgens) und südwind (nachmittags) offensichtlich ein gesuchtes terrain ist – ebenso wie für die unzähligen mountain-biker, die neben den surfern das grós der touristen ausmachen und unter denen ich mir mit meinem trekking-bike und der minimal-ausrüstung wie ein exot vorkomme.

gekrönt wird der tag durch die beeindruckende vorstellung der deutschen nationalmannschaft bei ihrem 3:2 sieg im em-viertelfinal-spiel gegen portugal, das ich in einer pizzeria in zufälliger, aber interessanter gesellschaft von randy, einem offensichtlich in europa ‚gestrandeten‘ us-bürger aus oregon, erlebe.

und dann war da noch der einzelfahrer aus augsburg, den ich zurück auf dem campingplatz im dunkeln neben meinem zelt antreffe, eine absoluter minimalist, der nur mit dem, was er am leib trägt, einem minizelt, -schlafsack, -kocher und einem einzigen topf reist und mal eben für fünf tage eine rundreise durch norditalien macht. da fühle ich mich – im gegensatz zum vortag – schon fast wieder wie ein luxustouri.

47. tag – frei, 20.06.08 – torbole-eppan/südtirol – 109 km / 555 hm sonnig

auf meinem heutigen weg ins von früheren rennrad-dolomitentouren vertraute eppan bei bozen genieße ich – nach anfänglicher heftiger kletterei – einmal mehr die willkommene unterstützung durch den im etschtal kräftig auffrischenden südwind, der die gleichzeitg große hitze einigermaßen erträglich macht. sehr nett auch so mancher plausch mit einigen der vielzähligen radtouris, die ebenfalls diesen weg, allerdings meist richtung süden, eingeschlagen haben, insbesondere mit olaf und katharina aus neuss, denen ich – unbewusst – bereits im ‚radforum.de‘ begegnet bin und mit denen ich einen interessanten erfahrungsaustausch habe.

am ende des tages freue ich mich über den gewohnt freundlichen empfang und die eiskalte apfelschorle im romantischen blumenhotel haus angerburg sowie noch mehr über das eintreffen von astrid und martha, mit denen ich kurzfristig ein gemeinsames wochenende in bozen vereinbart hatte. nach dem dramatischen 4:2 n.e. im em-viertelfinale zwischen der türkei und kroatien lassen wir den tag bei einem schoppen wein vom kalterer see im herrlichen rosengarten des hotels ausklingen.

48. tag – sa, 21.06.08 – eppan (ruhetag) sonnig

nach einem ausgiebigen stadtbummel in bozen fahren astrid, martha und ich mit der standseilbahn hoch auf den mendelpass und bewundern die anlässlich eines oldtimer-rennens auf dem pass aufgereihten automobilen schmuckstücke, darunter auch ein ‚brezel-käfer‘, nicht unbedingt der kostbarste unter den oldtimnern, aber, da mein erstes motorisiertes gefährt, von für mich besonderem sentimentalen wert.

einmal mehr genießen wir anschließend rosengarten und swimmingpool im hotel angerburg.

49. tag – so, 22.06.08 – eppan-laas/vinschgau – 76 km / 758 hm sonnig

nach astrids und marthas abreise mache ich mich am frühen nachmittag bei großer hitze auf, die anfahrt an den reschenpass anzugehen. die fahrt über den etschtal-radweg, durch meran und schließlich über den parallel zur passstraße verlaufenden radweg vorbei an ausgedehnten apfelplantagen und weinfeldern hinein ins vinschgau wird bei durchschnittlicher steigung von 5 % und maximaler steigung von 15 % zunehmend anstrengend. so freue ich am ende des tages über den außergewöhnlichen komfort des besten campingplatzes dieser tour, badlerhof in laas, ganz besonders.

< zum 1. teil italien                                                               österreich >

<< zurück zur übersicht


Schreibe einen Kommentar