1. teil: catania-roma – 05.05.-29.05.08

italien / italy

1. tag – mo, 05.05.08 – flug münchen-catania – 16 km / 35 höhenmeter sonnig

ätna beim anflug im abendlicht catania airport - glücklich gelandet

ein seidener lufthauch mit einem berauschenden duft nach meer und zitronenblüten begrüßt mich, als ich gegen 20:00 uhr aus dem flieger steige, der mich von münchen ins vertraute catania gebracht hat.

nicht nur mein (kostenfreies über-)gepäck eingesammelt, sondern auch meinen idworx off-rohler unbeachtet, aber wohlbehalten in einer ecke der gepäckhalle gefunden und reisefertig zusammengebaut, mache ich mich auf die suche nach dem ‚jonia-camping‘ im stadteil ognina, das ich dank andreas‘ detaillierter beschreibung ohne große umwege trotz dunkelheit und zunächst nicht funktionierender beleuchtung (bedienungsfehler!) finde. eine späte pizza schließt den ansonsten ereignisarmen tag ab.

2. tag – di, 06.05.08 – ätna anstieg – 71 km / 1.909 hm 07-untersch-bewolkt-einz-schauer.jpg

ätna anstieg - 1.900 höhenmeter ohne training ätna gipfel im nebel - sicilia beides geschafft - 1900 hm und ich und nun bergab bei 5°c - ätna - sicilia

wenn ich nach der mit spärlichen 350 trainingskilometern (kein schreibfehler!) überaus ‚üppigen‘ vorbereitung noch nicht gewusst habe, wo ich formmäßig stehe, der anstieg auf den ätna, der erst nach ca. 19 km und 775 höhenmeterso richtig beginnt, hat es mir schmerzlich gezeigt. mehr als 1.900 höhenmeter verteilt auf 35 km können zur plage werden, vor allem, wenn man bei 25°c im sonnenschein startet und bei 5°c, regen und nebel endet. letztere ersparen mir auch die ohnehin müßige entscheidung, die fehlenden 1.400 höhenmeter über die steile schotterpiste hinauf zum gipfelkrater nun mit dem rad oder dem shuttle-bus zu bewältigen. die folgende abfahrt ist qual genug.

nicht nur der luftreinigende regen sendet mich am ende des tages in einen tiefen schlaf.

3. tag – mi, 07.05.08 – catania-letojanni – 58 km / 514 hm sonnig

blick auf aci trezza - sicilia die zyklopen inseln - sicilia isola bella bei taormina - sicila

eigentlich wollte ich heute schon das 260 m über dem meerespiegel liegende taormina besuchen. die traumhafte küstenstrecke, die mich besonders bei aci trezza und giardini-naxos immer wieder zum anhalten und fotografieren anregt, sowie der immer noch tief-verhangene ätna lassen mich dieses vorhaben auf den nächsten tag verschieben. so genieße ich die immer wärmer scheinende sonne bei sizilianischer krimilektüre am privatstrand des ‚paradise camping‘.

4. tag – do, 08.05.08 – taormina-messina – 86 km / 549 hm sonnig

taormina - sicilia ätna vom teatro greco - taormina - sicilia blick über die strasse von messina zum festland - sicilia

den tag beginne ich mit einem gepäckfreiem anstieg nach und besuch des hoch über der küste tronenden, absolut sehenswerten taormina und werde für meine geduld überreichlich belohnt: ein strahlend-blauer himmel und ein freier blick auf den schneebedeckten ätna-gipfel aus dem teatro greco, dem touristischen sahnestückchen taorminas, verschlagen mir glatt den atem. da stört auch das von überwiegend ost-deutschen und amerikanischen rentnerreisegruppen und italienischen schulklassen dominierte touristenheer nicht.

diesem ersten top-highlight folgt eine abwechslungsreiche, vom kräftig auffrischenden scirocco unterstützte fahrt nach messina, das zu meiner überraschung mit seiner piazza del duomo und dem ausblick von der santuaria montalto – nur mühsam über 20%ige steigung zu erreichen – über die straße von messina zum italienischen festland unerwartete eindrücke hinterlässt.

die fahrt in der nachmittagssonne zum gut 10 km weiter nordwärts an der wohl nördlichsten spitze siziliens gelegenen ’nuova camping della stretto‘ wird dank des weiterhin heftigen scirocco und trotz des starken nachmittagverkehrs ein vergnügen.

5. tag – frei, 09.05.08 – messina-palmi – 56 km / 709 hm sonnig
ciao sicilia scilla - calabria verwegene autostrada brückenkonstruktionen - calabria anstieg von 0 auf 500 m

nach nochmaligem genuss der strecke, nun zurück richtung messina, schiffe ich mich, dank der freundlichkeit des ticketbeamten sogar kostenfrei, auf die fähre nach san giovanni auf dem italienischen festland ein. die fahrt richtung norden, entlang der costa viola, wird unmittelbar nach san giovanni bereits zu einem augenschmaus: hinter jeder kurve der zunächst nur welligen küstenstrecke, die an manche fjord-umrundung im vergangenen jahr erinnert, eröffnen sich neue herrliche ausblicke auf das tiefblaue meer oder die dicht bewachsenen und mit einer frühlingsblütenpracht bedeckten, zum meer steil abfallenden berghänge.

wunderbar der ausblick auf scilla, ort des mythischen felsens „skylla“, in homers odysse als wohnort eines sechsköpfigen ungeheuers beschrieben. diesen eindruck kaum ‚verdaut‘, folgt bei bagnara ein gewaltiger anstieg in dichten serpentinen auf mehr als 500 m. von dort geht es dann in rasanter fahrt nach palmi, wo ich im moment sitze und diese eindrücke festhalte.

dazu gehören neben den ausblicken auf die wunderbare küste auch die beeindruckende kulisse des sich bis zu 2.000 m auftürmenden aspromonte gebirges und die verwegenen brückenkonstruktionen der autostrada, die sich in großen bögen über tiefe täler spannen.

kurz hinter palmi, in taureana, finde ich einen herrlichen, an der steilküste 60 m über dem meer gelegenen campingplatz, von dem aus ich unter einem dach von pinien den wunderbaren sonnenuntergang in vollen zügen genießen kann. das mir spontan von einem netten halleiner camper im gegenzug zu einigen sizilien-tipps spendierte schwechater bier kommt da wie gerufen.

6. tag – sa, 10.05.08 – taureana-porta salvo – 86 km / 947 hm 02-unterschiedl-bewolktetw-regen.jpg

seitenblick santa maria dell’ isola - tropea rückblick auf tropea

weiter geht die fahrt nach einem frühstück, bei dem mir die frischen brötchen quasi an’s bett gebracht wurden, über die weiterhin malerische küstenstrecke, in der tropea aufgrund seiner spektakulären lage, seiner schönen altstadt und der auf einem vorgelagerten felsen gelegenen, ehemals orthodoxen wallfahrtskirche ’santa maria dell´isola‘ besondere aufmerksamkeit auf sich zieht und verdient.

dafür nimmt man auch die anstrengende topographie – nach nur 50 km schon 800 höhenmeter! – und den mitunter heftigen gegenwind in kauf – wenn auch nicht unbedingt mit freuden.

die suche nach einem zu dieser jahreszeit bereits geöffnetem zeltplatz erweitert die tagesstrecke und führt dennoch zu keinem befriedigendem ergebnis, über welches ich lieber den mantel des schweigens hülle. erwähnenswert dafür aber die spontane einladung zum kaffee in einer netten kleinen bar und die diskussion mit gästen und bedienung über deutschlands autos, wirtschaftliche und politische stärke und stabilität.

7. tag – pfingsten, 11.05.08 – porta salvo-cetraro – 122 km / 423 hm 02-unterschiedl-bewolktetw-regen.jpg
in pizzo - calabria pizzo - calabria vesper am capo súvero - calabria páola - calabria

einer wegen widriger umstände fast schlaflosen nacht – mückenterror, techno-musik vom rummelplatz, straßenlärm, regen – folgt ein überraschend erfolgreicher tag. animiert durch die gesellschaft und den redefluss eines ehemaligen 3-fachen kalabrischen straßenradmeisters, an dessen hinterrad ich mich über 15 km hängen kann und der meine aktion mit zahlreichen ‚bravo-bravissimos‘ begleitet, überwinde ich diese flachetappe in windeseile nicht aber, ohne ein auge für die leider in wolkenverhangenes grau getauchten schönheiten links und vor allem rechts des weges zu haben: der nette kleine ort pizzo über der bucht von sant’eufemia, die mächtigen bis auf über 1.500 m aufragenden berge der catena costiera mit den sich an steile felskuppen anschmiegenden orten wie amantea, san lucido oder fiumefreddo.

spektakulär auch die halsbrecherischen kunststückchen der windsurfer und kiteboarder am capo súvero, denen ich über eine strandvesper fasziniert zuschaue.

eine nette bleibe finde ich auf einem musikalischen campingplatz in cetraro, der von einer kettenrauchenden klassik- und jazzliebhaberin unüberhörbar dauerbeschallt wird.

8. tag – mo, 12.05.08 – cetraro-praia a mare – 63 km / 383 hm 02-unterschiedl-bewolktetw-regen.jpg / sonnig
blick auf diamante - calabria scalea - calabria am capo scalea - calabria kletterpartie bei san nicola - calabria

dem gestrigen höhenflug sollte nach einer heftigen regennacht heute ein leidenstag folgen. wohl noch an den nachwehen der leistungen vom vortage leidend quäle ich mich über die an sich wenig anstrengende strecke, habe aber dennoch sinn und auge für die schönheiten von belvedere, scalea und ganz besonders diamante, das ich bereits nach 25 km erreiche und wo ich die rast auf einer bank auf der romantischen lungomare (promenade) zu einem erfrischenden nickerchen nutze.

die restliche fahrt nach dem durch die vorgelagerte insel dino und seinen riesigen, weiten strand bemerkenswerten praia a mare führt durch ein meist recht deprimierendes gebiet, das durch rigorose nutzung der teilweise eigentlich recht hübschen strände für billigsten massentourismus geprägt ist:

ein z. zt. noch leerstehender camper-platz einfachster ausführung (eingezäuntes terrain mit mini-infrastruktur und -bepflanzung) reiht sich an den anderen, eingerahmt von – noch verwaisten – billigen ‚fressbuden‘. hier möchte ich nicht die hochsaison erleben.

abgekämpft erreiche ich schließlich meinen zielort und ‚beziehe‘ meine mir zugewiesene schlafparzelle auf dem 4-sterne-campingplatz…

9. tag – die, 13.05.08 – praia a mare (ruhetag) 06-bewolkt-schauer-gewitter.jpg / 02-unterschiedl-bewolktetw-regen.jpg

mein mir zugewiesener stellplatz international camping praia a mare - calabria isola dino - praia a mare - calabria letzte vorbereitungen für den giro d’talia zug - praia a mare - calabria

gewitter mit blitz, donner und starkregen, dicht am camp vorbeirasende eisenbahnzüge – all das vermag meinen tiefen und langen schlaf nicht zu stören, bis ich endlich gegen 10:00 uhr gut ausgeruht aufwache. so ist ein flick- und putztag angesagt mit anschließenden kleinen ausflügen zur leider noch nicht zu besuchenden insel dino oder entlang der lungomare und durch das von einer gewissen vorsaisonalen tristesse gekennzeichnete zentrum von praia, in dem allerdings fleißig, quasi auf den letzten drücker, die straßen für den morgen hier durchfließenden giro d’italia-zug geteert und markiert werden. mal sehen, vielleicht kann ich da ja ein wenig mitradeln – im windschatten, versteht sich… 😉

die latte macchiato und das eis scheinen jedenfalls hier ‚vor ort‘ wesentlich besser zu schmecken als ‚beim italiener‘ daheim.

10. tag – mi, 14.05.08 – praia a mare-palinuro – 92 km / 1.177 hm 02-unterschiedl-bewolktetw-regen.jpg
porto di maratea - basilicata mit martin+bernd aus nürnberg - aquafredda - basilicata malerische treppe - lentiscosa - cilento-campánia kampanischer badestrand - cilento-campánia

diese tagesetappe führt mich durch das bisher schönste gebiet überhaupt: das cilento, ein gebirgszug und naturschutzgebiet südlich von salerno, mit einer wildromantischen küste und den wohl schönsten badebuchten und besonders pittoresken ortschaften, sowohl oberhalb als auch unmittelbar an der küste: (porto di) maratea, acquafredda, sapri, marina di camerota und natürlich das sagenumwobene palinuro – benannt nach dem steuermann des äneas, der laut den erzählungen in vergils ‚aeneis‘ hier gestrandet und, nachdem er sich zunächst an den strand hat retten können, von den einheimischen gesteinigt worden sein soll.

der weg hierhin ist allerdings ‚gepflastert‘ mit einem heftigen anstieg, der von meereshöhe bei policastro auf über 500 m hinter san giovanni i piro führt, dessen mühsal und regnerische kälte ich aber beim sich anschließenden ausblick und der fast berauschenden weiterfahrt zum heutigen zielort bereits wieder vergessen habe.

neben der einmaligen lage von palinuro mit seinen herrlichen buchten und wunderschönen stränden, auf einem derer ich unter einem pinien-baldachin einen herrlichen wilden zeltplatz finde, sind die grotta azzura und grotta delle ossa (blaue und knochengrotte) erwähnenswert, von denen die erstere den vergleich mit der gleichnamigen grotte auf capri angeblich nicht zu scheuen braucht. leider ist mir ein besuch nicht vergönnt, da es noch zu früh in der saison ist.

die brandung, fast so heftig wie an einem normalen tag an der französichen atlantikküste, erfrischt mich zunächst, und ihr rauschen wiegt mich später sanft in den schlaf, so dass ich vom heutigen ‚gau‘ – mein handy hat das letztnächtige gewitter nicht unbeschadet überstanden und seinen geist aufgegeben! – nahezu unberührt bleibe.

11. tag – do, 15.05.08 – palinuro (badetag) sonnig

palinuro - cilento-campánia unterm pinienbaldachin - palinuro - cilento-campánia abendstimmung - palinuro - cilento-campánia

die schönheit des strandes, das zunehmend sonnige und warme wetter, die aussicht auf eine handy-reparatur im ort sowie der komfortable zeitplan verführen mich, abermals einen ruhe- bzw. dieses mal einen badetag einzulegen. schließlich bin ich ja zum vergnügen hier, oder? also gebe ich mich dem kristallklaren, blau-türkis-schimmernden tyrrhenischen meer und seiner herrlichen brandung hin, muss mich allerdings vor der aus fast wolkenlosem himmel strahlenden sonne in acht nehmen.

12. tag – frei, 16.05.08 – palinuro-capáccio (paestum) – 103 km / 949 hm sonnig
pisciotta - cilento-campánia acciaroli - cilento-campánia ceres tempel in paestum - campánia am strand bei laura-capáccio - campánia

bei der abfahrt treffe ich den ebenfalls alleine radelnden albert aus der schweiz, also quasi albert schweizer, der auch richtung norden unterwegs ist. muss jedoch erst noch mein zwar nicht repariertes, vereinzelt, quasi in letzten zuckungen, nochmal funktionierendes handy abholen.

so mache ich mich etwas verspätet auf den weg, der sich als eine wunderbare reise herausstellt. die schönheit der cilento-küste setzt sich fort und wird besonders geprägt durch den kontrast zwischen lieblichen strandabschnitten und bis an die küste heranreichender wilder bergwelt sowie die immer wieder malerisch in diese landschaft eingebetteten ortschaften wie (marina di) pisciotta, ascea-velia oder acciaroli, wo ich in großer nachmittagshitze eine pause am malerischen hafen einlege.

schließlich erreiche ich nach anstrengender berg- und talfahrt die überwältigende ausgrabungsstätte von paestum, einer ehemals griechischen kolonie aus der zeit 500 v. chr., deren bevölkerung einst von der malaria fast völlig hingerafft wurde und diese ansiedlung im 9. jahrhundert schließlich komplett verlassen hatte. ihr statte ich nun einen angemessen langen besuch ab.

überragt wird das gelände durch die drei neben agrigentro/sizilien wohl besterhaltenen dorischen tempel – ursprünglich den göttinnen athena und hera geweiht, auch wenn sie heute aufgrund fälschlicher zuordnung andere namen tragen: neptun bzw. poseidon und ceres. erstaunlich ist, dass sie ohne zement und mörtel gebaut wurden und dennoch das dem vesuv-ausbruch vorausgegangene verheerende erdbeben von 62 n. chr. ohne nennenswerte schäden überstanden haben, ganz im gegensatz z. b. zum damals komplett zerstörten tempel in pompeji. fast ein jahrtausend waren sie von sümpfen umgeben und im schlamm versunken, bevor sie mitte des 18. jahrhunderts beim straßenbau wieder ausgegraben wurden.

die sich diesem besuch anschließende campingplatzsuche endet trotz reichhaltigen, aber leider qualitativ unbefriedigenden angebots auf einem sehr schönen wilden strandzeltplatz bei laura-capáccio außerhalb von paestum, von dem aus ich die silouette der amalfiküste und den sonnenuntergang bei capri genieße.

13. tag – sa, 17.05.08 – capáccio-sorrento – 94 km / 972 hm meist sonnig
salerno - campánia vietri - costiera amalfitana - campánia cetara - costiera amalfitana - campánia furore fjord - costiera amalfitana - campánia positano - costiera amalfitana - campánia

der heutige tag soll der höhepunkt der bisherigen reise werden und wird es auch: nach zunächst langweiligen 30 flachen ‚einroll‘-kilometern in das im krieg durch einen alliierten bombenangriff total zerstörte, heute moderne wirtschaftszentrum salerno beginnt aus dieser wunderbar gelegenen und sehr lebhaften stadt heraus der einstieg in die ‚costiera amalfitana‘, der amalfitanischen küstenstrecke.

es gibt wohl auf der ganzen welt kaum eine andere straße, die in dichter folge so viele atemberaubend schöne ausblicke auf eine einzigartige küstenlandschaft bietet. eng an die steilküste angelehnte, in türkis-schimmernde buchten gedrängte, sich die hänge hochreckende kleine, verträumte orte wie vietri, cetara, maiori, paiano und natürlich das namensgebende amalfi wechseln sich ab mit einbuchtungen mit gewaltigen grotten und wuchtigen felsformationen des sich hochaufragenden gebirges monti lattgari und der sorrentinischen halbinsel. nicht nur wegen der anspruchsvollen steigungen auf diesem rund 60 km langen abschnitt inkl. des schlussanstiegs vom gleichermassen malerischen positano hoch bis auf 400 m, sondern hauptsächlich wegen der vielen fotografier-pausen benötige ich für diese strecke deutlich mehr als die übliche zeit.

trotz der besonderen körperlichen anstrengung, die mir dieser streckenabschnitt abverlangt, bin ich ein wenig traurig, als er im hektischen sorrent seinen abschluss findet, obwohl mich bei der abfahrt dorthin der unerwartete, großartige ausblick auf den golf von neapel und den alles überagenden vesuv mehr als entschädigt. hier – auf dem angenehmen, auf terrassen mit blühenden olivenbäumen gelegenen campingplatz santa fortunata und mit blick auf den vesuv – werde ich wohl erst einmal quartier machen, um der insel ischia einen besuch abzustatten.

14. tag – so, 18.05.08 – sorrento – ruhetag 07-untersch-bewolkt-einz-schauer.jpg
golf von neapel - campánia marina grande - sorrento - campánia marina piccola - sorrento - campánia autofreier sonntag - sorrento - campánia

nun, mit ischia klappt es zunächst einmal nicht, denn, wie ich heute feststelle, existiert nur eine verbindung täglich und das bereits um 9:30 uhr, für die ich viel zu spät dran bin. so verbringe ich halt den tag, indem ich mich dem überwiegend britischen touristenstrom anschließe und sorrent erkunde. dabei gelingt es mir, eine buchhandlung zu finden, in der ich meinen längst erschöpften lesevorrat mit deutscher und englischer lektüre auffrischen kann. so genieße ich über dem schon fast legendären aurelio zen krimi mit dem beziehungsreichen titel ’sterben auf italienisch‘ bei leckerem cappucino und gelato den sommerlichen, und in sorrent üblicherweise autofreien, sonntag und erfreue mich nebenbei an der vielfalt interessanter ‚modelle‘ internationaler touristen.

15. tag – mo, 19.05.08 – sorrento (ruhetag) 07-untersch-bewolkt-einz-schauer.jpg

piazza tasso - sorrento - campánia in der altstadt - sorrento - campániain der altstadt - sorrento - campániageisterschloss - sorrento - campániamit james - dtsch-irische freundschaft - sorrento - campánia

heute wird es wieder nichts mit dem ischia-ausflug, denn zunächst kümmere ich mich einmal um meine handy-reparatur und erfahre, dass ich es erst mittwoch zurückerhalten werde. zu allem übel sind die wetteraussichten für die beiden nächsten tage so schlecht, dass statt der mittlerweile für morgen geplanten ischia-exkursion nun ein kulturausflug nach pompeji anstehen wird, denn museen kann man auch im regen besuchen.

erst einmal aber miete ich mir nach einer netten begegnung mit john und amie aus irland, die mir mit bildreichen beschreibungen ihre heimat als nächstes reiseziel schmackhaft machen wollen, einen 125er roller und besuche noch einmal das wunderschöne positano, nun etwas intensiver. auf der fahrt dorthin bzw. wieder zurück nach sorrent kann ich es kaum glauben, das alles mit 35 kg gepäck bereits schon mal ‚abgeradelt‘ zu haben.

16. tag, die, 20.05.08 – sorrento-pompei – 67 km / 653 hm 00-starker-regen.jpg
amphitheater 70 v.chr.- pompei - campánia wandgemälde - pompei - campánia garten des octavius quarto hauses - pompei - campánia nekropole - pompei - campánia

heute also die – gepäckfreie! – exkursion nach pompeji zum besuch einer der wohl berühmtesten ausgrabungsstätten weltweit, nicht nur wegen des einzigartig guten erhaltungszustands dieser stadtruine, sondern vor allem wegen der dramatik, unter der dieses zeitzeugnis 79 n. chr. entstanden ist: nur wenige jahre nach dem verheerenden erdbeben im jahre 62 n. chr., dessen spuren noch nicht wieder restlos beseitigt waren, wird diese blühende, lebensfrohe und kulturreiche stadt von einer weiteren furchtbaren naturkatastrophe heimgesucht und in den mittagsstunden des 24. august – ebenso wie die nachbarstädte herculaneum, stabiae und oplontis – unter bimsstein-, lava- und aschemassen eines massiven vesuv-ausbruchs verschüttet. dieses tragische ereignis schenkt der welt nach den im 18. jahrhundert begonnenen und bis heute andauernden ausgrabungen einen einzigartigen und nahezu kompletten einblick in den zivilisationsstand und die lebensweise dieser ehemals ‚aufmüpfigen‘, später aber von rom unterworfenen ethnischen mischbevölkerung aus oskern, etruskern, pelasgern und samniten.

schade, dass nach wenigen stunden meines besuchs ein heftiger gewittersturm die stätte nahezu überflutet, fast alle touristen verjagt und so auch mich dazu zwingt, die hochinteressante besichtigung vorzeitig abzubrechen und mich wieder auf den rückweg nach sorrento zu begeben. leider fällt damit nicht nur heute, sondern grundsätzlich der gleichermaßen geplante anstieg auf den vesuv aus, denn eines ist mir heute ebenfalls klar geworden: wenn irgendwie vermeidbar werde ich diese strecke nicht noch einmal fahren: der verkehr und die riesigen, stinkenden abfallhaufen auf der strecke sorrento-napoli sind einfach nur grauenvoll! so erkundige ich mich in sorrent bei der touristen-info schon für donnerstag nach den fährverbindungen sorrento-ischia-napoli.

17. tag – mi, 21.05.08 – sorrento (ruhetag) 00-starker-regen.jpg

gasse in sorrento - campánia siesta - sorrento - campánia piazza tasso - sorrento - campánia abschied von sorrento - campánia

ein tag ohne besondere ereignisse außer, dass es ständig heftigst regnet und ich am ende des tages endlich mein handy wieder habe; musste im laden aber erst dampf machen, da im mezzogiorno mittwoch-nachmittag eben nicht immer unbedingt mittwoch-nachmittag bedeutet.

18. tag – do, 22.05.08 – sorrento-napoli-ischia 22 km / 90 hm meist sonnig

fahrt aus dem hafen von sorrento - campánia schottische hochzeit vor dem castel nuovo - napoli - campánia galeria umberto I - napoli - campánia schlauchplatzer an der piazza plebiscito - napoli - campánia lebensfreude vor dem castel dell’ uovo - napoli - campánia

zunächst schiffe ich mich wegen scheinbarer fortsetzung des regenwetters nach neapel ein, um von dort meine reise fortzusetzen. in neapel angekommen, wird meine stadtbesichtigung jäh unterbrochen durch einen schlauchplatzer im hinterreifen – weiß der geier, wie das passiern konnte. bei meinem reparaturbemühen auf der piazza plebiscito habe ich sofort unzählige zuschauer, die sich in dem moment, als im zweiten angang die reparatur endlich fehlschlägt, in äußerst hilfbereite menschen wandeln bis zu dem grad, dass sich zwei schließlich gar streiten, wer von ihnen denn nun ‚das recht der ersten tat‘ hat. schließlich werde ich samt rad in ein minitaxi verladen – in neapel ist eben alles möglich -, und für einen sicherlich dreimal zu hohen preis zu einem radladen verfrachtet, wo ich mir das nötige reservematerial besorge. so kann ich mein sightseeing fortsetzen, wobei mich besonders das castel nuovo sowie der palazzo reale, in dem gerade noch der frisch wiedergewählte berlusconi mit seinem kabinett getagt und u.a. maßnahmen gegen den allgegenwärtigen müllskandal in dieser stadt initiiert hat, und die malerische altstadt mit ihren typischen engen gassen beeindrucken.

und dann entschließe ich mich doch noch zur überfahrt nach ischia – eine weise entscheidung, wie sich noch am abend aber noch mehr am nächsten tag herausstellt.

19. tag – frei, 23.05.08 – rundfahrt auf ischia – 56 km / 1.066 hm sonnig

castel aragonese - ischia - campánia altstadt - ischia - campánia an der kirche von san gaetano - ischia - campánia punta sant’ angelo - ischia - campánia

für die besichtigung der insel nehme ich mir den ganzen tag zeit, wobei die besondere aufmerksamkeit, die ich dem ort ischia selbst widme, durchaus gerechtfertigt ist. wenn auch durch den tourismus in hohem maße geprägt, dessen wirkliche auswirkungen jetzt in der vorsaison aber nur zu erahnen sind, fängt einen der charme der wunderschönen seefront mit den bunten eng aneinandergeschmiegten häusern, dem herrlichen strand und der aussicht auf das castello aragonese sofort ein.

neben immer wieder faszinierenden aussichten auf die küste und ihren kleinen orten – besonders (punta) sant‘ angelo! – bleibt mir als nachhaltigster eindruck aber der anstieg auf den fast zentral auf dieser insel vulkanischen ursprungs gelegenen fast 800 meter hohen monte epomeo – die letzten 100 höhenmeter leider nur zu fuß möglich – und der 360° rundblick, den man von dort oben genießen kann. alles – den vesuv, neapel, ercolano, die sorrentinische halbinsel, capri – kann man fast wie aus der vogelperspektive betrachten und sich kaum sattsehen an diesem rundum-panorama.

20. tag – sa, 24.05.08 – ischia-pozzuoli-sperlonga – 105 km / 410 hm sonnig
im hafen von pozzuoli - campánia oswaldo+giovanni bei pozzuoli - campánia aqua augusta bei miseno - campánia büffel-mozarella produktion - pozzuoli - campánia blick auf sperlonga - lazio

fast hätte ich die fähre zurück nach neapel bzw. nach pozzuoli noch verpasst, denn der anleger ist doch nicht da, wo er mir am vortag nachdrücklichst zugesichert wurde. umso erfreulicher dann die begegnung mit den zwei älteren mtb-radlern oswaldo und giovanni – mein alter 😉 – , die mich zu einem umweg um das capo miseno verleiten und mir so nicht nur eine wunderbare strecke erschließen, sondern mir auch die örtlichen und historischen bezüge zum gerade von mir gelesenen robert harris buch ‚pompeji‘ herstellen:

  • den heimathafen der kaiserlich-römischen flotte in misenum (heute miseno)
  • die ‚piscina mirabilis‘, die zisterne der kaiserlichen flotte ‚classis praetoria misenensis‘ am ende des
  • ‚aqua augusta‘, auch unter dem namen serino-aquädukt bekannt, der einst über eine länge von 96 km mit einem höhenunterschied von 366 m acht städte, u. a. pompei, nola, herkulaneum und neapolis, versorgte.

die ansicht des letzten, gut erhaltenen stücks der ‚aqua augusta‘ ist der lohn für einen irren anstieg, zum schluss sogar über ein holpriges stück römischer straße, nach dem ich meinen weg weiter an der küste, vorbei an formia, gaeta und schließlich nach sperlonga fortsetze.zum tagesabschluss werde ich dann mit dem italienischen pokalfinale verwöhnt, das as roma überraschend mit 2:1 gegen den haushohen favoriten inter milan für sich entscheidet.

21. tag – so, 25.05.08 – sperlonga (ruhetag) – 8 km / 116 hm sonnig

blick auf südstrand von sperlonga - lazio sperlonga - lazio reflexionen - sperlonga -  lazio sperlonga - lazio kapellmeister - sperlonga - lazio

ursprünglich nur zum faulenzen am traum-strand des campingplatzes vorgesehen erhält dieser tag eine herausragende bedeutung, als ich mich am nachmittag zu einer besichtigung des nahe gelegenen ortes entschließe und überraschend ein juwel entdecke. nicht nur die außergewöhnlich spektakuläre lage auf einem 55 m über dem meer der küste vorgelagerten felsen, sondern die architektur der sich eng auf diesen felsen um den einzigen offenen platz, die piazza della republica, drängenden häuser macht den besuch dieses orts mit seinen schulterschmalen, immer wieder überbauten gassen zu einem ganz besonderen erlebnis. man fühlt sich wie in einem einzigen, über mehrere stockwerke führenden, völlig verschachtelten gebäude, aus dem sich immer wieder überraschende ausblicke auf die herrlichen strände nördlich und südlich des ortes bieten. ich fotografiere, bis der akku leer ist. das platzkonzert einer örtlichen marschkapelle hätte ich ohnehin nicht konservieren können.

kein wunder, dass sich kaiser tiberius sperlonga einst als ort seines refugiums und gästehauses auserkoren hatte, eine in eine höhle gebaute villa, der ‚grotta di tiberio‘

treppe in sperlonga -  laziotreppe in sperlonga -  laziotreppe in sperlonga -  laziotreppe in sperlonga -  lazio

22. tag – mo, 26.05.08 – sperlonga-castello fusano – 142 km / 185 hm sonnig

gut ausgeruht trete ich die heutige flachetappe an, die mich bis vor die tore roms bringen soll. das gelingt dank eines meistens günstig stehenden windes trotz großer hitze und streckenweise sehr starken verkehrs. lediglich der abschnitt zwischen terracina, wo ich mir meine beiden nachschub-päckchen abhole, und dem relativ häßlichen notturno wird zur regelrechten lustfahrt: eine leere straße, die über einen dünenzug zwischen dem meer und binnenseen vorbei an eleganten villen reicher römer und geschmackvoll angelegten kommerziell genutzten strandabschnitten führt.

auf einem ehemals fürstlichen gutshof, nun zum ‚country club castel fusano‘ umfunktioniert, erhole ich mich vom langen tagesritt, und werde morgen einen rom-tag einlegen – ohne fahrrad!

23. tag – die, 27.05.08 – roma sonnig

heute steht kultur bzw. touri-soll auf dem plan. also, in den ’sightseeing hop-on/hop-off bus‘ gestiegen und bei größter hitze, die jedoch durch einen mitunter kräftigen wind etwas gemildert wird, die ‚musts‘ abgeklappert bzw. nach 26 jahren wiederentdeckt – damals wurde gerade helmut schmidt per mißtrauensvotum abgewählt. ich werde wohl noch ein oder zwei tage dranhängen und meine eigene rom-entdeckung starten…

24. tag – mi, 28.05.08 – ostia antica sonnig

heute besuche ich das nahe gelegene ostia antica, den ort des ursprünglichen hafens von rom, dessen ehemals lebenswichtige funktion für die versorgung der hauptstadt des reiches man, aufgrund seiner lage abseits vom – nach einer flutkatastrophe im 16. jahrhundert anders verlaufenden – tiber und der durch verlandung mittlerweile 3 km entfernt liegenden küste, kaum noch nachvollziehen kann. die ausgrabungen sind dazu wenig ergiebig, wenngleich sie einen eindruck von der größe dieser heute verschlafen wirkenden stadt vermitteln.

25. tag – do, 29.05.08 – roma07-untersch-bewolkt-einz-schauer.jpg

einmal mehr widme ich den ganzen tag der kultur und besuche – nach einer regenbedingten fast einstündigen zwangspause – unter anleitung meines reiseführers das forum romanum und das forum imperiali, das colosseum und den palatin hügel, abgeschlossen mit einem latte macchiato und erschöpften beinen.

am abend lausche ich bei einem glas bier den interessanten und spannenden erzählungen von günther (77 jahre!) aus stuttgart, ebenfalls ein ‚italien-alleinradler‘, über seine vielfältigen radtouren – und er meinen 😉

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