polen 28.07.-05.08.07

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85. tag – samstag, 28.07.07 – marijampolė/lit-augustów/pl – 109 km / 297 hm
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welche veränderungen die europäische union in der beziehung zwischen den ländern bewirkt, wird an der grenze von litauen zu polen deutlich: eine verwaiste, tief gestaffelte, architektonisch bombastische grenzanlage ist eine nur noch fast lächerlich wirkende kulisse für einen völlig harmlosen grenzübertritt, bei dem die passkontrolle in gemeinsamer abfertigung erfolgt.
die weiterfahrt führt durch sich in einer hügellandschaft weitläufig erstreckende getreidefelder über den ort suwałki mit seinen gut erhaltenen oder wiederhergestellten häuserfronten entlang der hauptstraße sowie einer schönen parkanlage, die eingerahmt wird von zwei kontrapunktisch an den parkenden liegenden kirchen, und endet für heute im von einem rockfestival ‚heimgesuchten‘ ferienort augustów. hier, wo sonst wohl wassersport jeglicher art die sommerfrischler anlockt, ist es nun die aus allen richtungen tönende musik und besonders der dumpfe beat einer technobude in der nähe des campingplatzes, der – kaum in einklang mit meinem ruhepuls zu bringen – mich erst in den frühen morgenstunden den dringend notwendigen und viel zu kurzen schlaf finden lässt.

86. tag – sonntag, 29.07.07 – augustów-orzysz – 78 km / 225 hm
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die kurze nacht sowie der immer wieder schauerartig einsetzende heftige regen gepaart mit einem kühlen westwind lassen mir den tag zur qual werden. dazu passt dann auch die enttäuschung über die wenig attraktive stadt ełk (lykk), die inmitten einer welligen, landwirtschaftlich für getreideanbau und viehzucht stark genutzten landschaft liegt.
so schlage ich nach nur knapp 80 km mein zelt an einem schönen masurischen see bei orzysz (arys) auf und genieße die abendstimmung lesend am seeufer.

87. tag – montag, 30.07.07 – orzysz-olsztyn – 119 km / 554 hm
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das wetter verschlechtert sich zusehends, die ganze nacht hat es heftig geregnet, und der westwind ist weiter aufgefrischt. dennoch mache ich mich nach einem anfänglichen stimmungstief relativ guten mutes auf den weg und wähle vor mikołajki (nikolaiken) bewusst eine nebenstrecke, um dem immer stärker werdenden versorgungs- und urlaubsverkehr auszuweichen. das handelt mir zwar 20 km schotterstrecke ein, dafür kann ich aber die masurische wald- und seenlandschaft umso mehr genießen.
den touritisch komplett ausgebeuteten und total überlaufenen ort mikołajki verlasse ich nach ‚doping‘ mit je einer doppelten portion spaghetti funghi und cola fluchtartig und fahre nach erfolglosen versuchen, bereits vorher ein passendes quartier zu finden, durch bis ins überraschend schöne olsztyn (allenstein), das durch eine romantische, allerdings leider ebenfalls von live-rockmusik vollgedröhnte altstadt bezaubert.

88. tag – dienstag, 31.07.07 – olsztyn- elbląg – 100 km / 370 hm
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der 120 km ritt des vortages gegen den wind steckt mir noch in den knochen, sodass ich es ruhig angehen lasse. in morąg (mohrungen) besuche ich das sehr lebensechte denkmal für papst woytila und wende mich dann den mehr irdischen bedürfnissen meines km-gestressten körpers zu, dem ich abermals eine doppelte portion pasta gönne.
glücklicherweise habe ich von vorneherein eine nebenstrecke gewählt, die mich über eine leicht wellige und äußerst ruhige straße durch eine abwechslungsreiche wald- und wiesenlandschaft mit kleinen orten über paslek (preuss. holland) nach elblag (elbing) führt. allerdings muss ich die letzten 25 km auf der nationalstraße 7 fahren, wo dann aufgrund des fast lebensbedrohend starken verkehrs in mir die idee einer leichten konzeptänderung für meine weitere reise durch polen reift, aber dazu später mehr.
in elblag gestaltet sich die quartiersuche aufgrund des frühzeitig geschlossenen touristinfo-centers problematisch, sodass ich schließlich ‚feudal‘ im hotel gromada am rande der im wiederaufbau befindlichen kleinen altstadt von elbląg absteige, das, bis sich aus einer laune der natur heraus die nogat-flussmündung von der stadt abwandte, sogar einmal zur hanse gehörte.

89. tag – mittwoch, 01.08.07 – elbląg-gdańsk- 70 km / 35 hm
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heute liegt nur eine kurze strecke vor mir, was mir angesichts des nach wie vor heftigen westwindes und eines gewissen erschöpfungsgrades durchaus willkommen ist. glücklicherweise habe ich eine kompetente empfehlung für die strecke nach gdańsk (danzig) erhalten, bei der ich die nationalstraße 7 weitgehend vermeide und durch das besonders interessante hinterland des frischen haffs fahre – eine völlig ebene, von kleinen seen, kanälen und wasserläufen durchzogene, teilweise landwirtschaftlich genutzte landschaft mit kleinen ortschaften und schönen alleen. dabei beobachte ich die angeblich weltgrößte wildschwanpopulation, die zu fotografieren wegen der entfernung und der wetterbedingt schlechten sichtverhältnisse leider keinen sinn macht.
kurz darauf treffe ich auf eine vierköpfige radlergruppe aus schlesien, die unterwegs auf die frische nehrung ist. das gibt wenigstens für einen kurzen abschnitt ein wenig erleichterung beim kampf gegen den wind.
kurz bevor ich mein drittes wichtiges etappenziel dieser reise, gdańsk, erreiche, kommt endlich wieder die sonne zum vorschein und übergießt die stadt und ihr so markantes und einmalig schönes altstadt-panorama rechtzeitig für meine ankunft mit gleißend goldenem licht. das eintauchen in die altstadt wird so zu einem unvergesslichen erlebnis, das mir einmal mehr tränen in die augen treibt.
in den unübersehbar großen strom der touristen – die kölner hohe straße in der vorweihnachtszeit ist dagegen ein friedhof – werde ich mich bei meinem morgigen ruhetag wohl oder übel auch einreihen müssen.

90. tag – donnerstag, 02.08.07 – gdańsk (ruhetag)
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heute also werde ich ein teil des heeres der touristen, das die anläßlich der ’st. dominik wochen‘ für 20 tage mit verkaufsständen mit dem üblichen tand vollgepfropfte und von musikern, kleinkünstlern und selbstdarstellern aller gattungen heimgesuchte altstadt durchzieht. ich versuche, durch die massen hindurchzuschauen und alle schönheiten der hanseatischen architektur, die sich hier auf engstem raume zeigen, zu erfassen – ein fast hoffnungsloses, aber dennoch begeisterndes und faszinierendes unterfangen:

  • die lange gasse mit dem poseidonbrunnen vor dem renaissance-rathaus und ihren wundervollen fassaden der vielfach im holländischen mannerismus stil gebauten häuser;
  • die st.-marien-gasse, eine der pittoreskesten gassen europas, mit der mächtigen st.-marien-kirche, von deren turm man einen herrlichen ausblick auf die altstadt, den hafen und das haff-hinterland genießt;
  • das lange ufer mit dem wuchtigen mittelalterlichen, angeblich immer noch voll funktionsfähigen holzkran – dem wohl markantesten wahrzeichen von danzig


nur schwerlich mag ich mit entschließen, morgen meine reise plangemäß, wenn auch, nicht zuletzt auch aus sicherheitsaspekten, mit leichten routenanpassungen, fortzusetzen. zu gerne würde ich hier noch mehr zeit verbringen…

91. tag – freitag, 03.08.07 – gdańsk-słupsk- 123 km / 288 hm
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um dem ‚ausfallstraßen-stress‘ auf der strecke über sopot (zoppot) und gdynia (gdingen) aus gdańsk hinaus zu entgehen, steige ich am herrlichen danziger hauptbahnhof kurzentschlossen in eine vorortbahn und spare so nerven und rund 20 km ‚großstadtverkehrs-horror‘. das ist aber das so ungefähr einzig positive an der heutigen strecke, denn kaum bin ich wieder auf meinen gewohnten zwei rädern unterwegs, muss ich mich nicht nur mit einem heftig auffrischenden westwind, sondern einem ebenso zunehmenden regen rumplagen. und auch die landschaft bietet keinerlei attraktion, sodass ich mich lediglich der gut ausgebauten straße und meiner dank vitamintabletten wieder erstarkten beine (köbes sei dank!) erfreuen kann.
erfreulich dann aber die ankunft in słupsk (stolp), das durch sehr freundliche, mich spontan in bestem deutsch ansprechende bürger und einige schöne beispiele pommerscher backsteingotik gefällt. bei einer netten familie finde ich mit hilfe des erfreulicherweise noch nicht geschlossenen touristeninformation-centers eine einfache, aber angenehme privatunterkunft.

92. tag – samstag, 04.08.07 – słupsk-kołobrzeg- 118 km / 266 hm

nun mit frischen kräften und neuer motivation versehen starte ich, nachdem ich wegen des nun besseren lichts noch einige motivfotos vom vortage wiederholt habe, in den sonnig-heiteren morgen richtung kołobrzeg (kolberg). die fahrt geht trotz frischen westwindes zügig durch eine weitgehend ebene, von weiten, teils bereits abgeernteten getreidefeldern geprägte landschaft, hin und wieder unterbrochen von kurzen welligen waldstücken, über die stadt koszalin (köslin), die mich zwar mit herrlichem sonnenschein, aber einem ansonsten wenig attraktiven stadtbild empfängt. nach einer kurzen radfahrergerechten nahrungsaufnahme setze ich die fahrt nach kołobrzeg (kolberg) fort, dessen stadtbild ähnlich koszalin deutlich sichtbare spuren der schlimmen verwüstung beim kampf um die festung kolberg gegen ende des 2. weltkrieges zeigt. dennoch hat man es hier offensichtlich gut verstanden, die wenigen verbliebenen backsteingotik-bauten in eine moderne, sich aber an historische vorbilder anlehnende architektur einzubinden.
bevor ich mich auf dem wenig gastlichen, typischen stadtcampingplatz im osten des zentrums zur ruhe lege, genieße ich noch den anblick eines herrlichen sonnentunterangs am von polnischen ferien- und wochenendgästen stark frequentierten badestrand.

93. tag – sonntag, 05.08.07 – kołobrzeg/pl-ahlbeck/d – 135 km / 291 hm

heute geht mit dem abschluss der polen-durchquerung der auslandsteil meiner radreise zu ende, und ich kehre – um 16:38 uhr mez, nach 6.476 rad-km – heim nach deutschland.
vorher führt meine fahrt bei seit vielen wochen erstmals richtig warmen sommerwetter durch eine teilweise flache, teilweise überraschend hügelige küstenlandschaft, bei der sich große brachflächen, getriedefelder und kiefernwälder abwechseln. bei abstechern zu einigen typischen, aufstrebenden polnischen ostseebadeorten, so in rewal und im – für mich unaussprechlichen – międzyzdroje (misdroy), animieren mich deren total überfüllte strände, die endlosen reihen von verkaufsbuden und lauten amüsierbetriebe jedoch eher zum schnellen weiterfahren.
sehr schön dagegen die durchfahrt durch trzebiatów (treptow an der rega), das ein wunderbarer marktplatz, eine imposante backsteinkirche sowie eine reihe schöner häuserfronten schmückt. in świnoujście (swinemünde) gebe ich noch einige meiner rest-złoty aus und mache mich auf zur nur für fußgänger und radfahrer geöffneten grenze richtung ahlbeck. dort erwartet mich – wie angekündigt und dennoch: welch schöne überraschung! – mein nordkap-mitfahrer helmut aus hamburg, mit dem ich einen netten abend am strand von ahlbeck beim betrachten seiner fotos und dem auffrischen unserer gemeinsamen erinnerungen verbringe.

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