1. teil: oslo-bergen – 11.-17.05.07

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7. tag – freitag, 11.05.07 – oslo – 26 km / 146 höhenmeter (hm)
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kungsgatan in oslo mit gisela + egil oslo fjord
heute morgen komme ich um 09:30 h bei herrlichem wetter – aufgelockerte bewölkung, 15 grad celsius – und bester stimmung in oslo an. die fährfahrt war trotz des anfänglichen sturms sehr erholsam – auch dank eines unverhofften up-gradings in den komfort einer einzel-außenkabine mit doppelbett und großem bullauge, aus dem ich die wie immer wunderschöne einfahrt in den oslo-fjord beobachten konnte. nach einigen einkäufen mache ich mich auf zu egil und seiner frau gisela, die mich zur übernachtung und einer wiedersehensparty mit alten freunden in ihr haus in oslo nordstrand eingeladen hatten.
der abend mit gisela und egil, meinen alten freunden anita und bjørn aus oslo und britt-marie und thomas, die extra von göteborg angereist waren, ist fröhlich, stimmungsvoll und sehr bewegend. phantastisch das 4-gang-menü von gisela und egil sowie die mit grosser sorgfalt und sachkenntnis von egil ausgesuchten weine. mit guten wünschen versehen und in bester stimmung finde ich erst nach mitternacht in’s bett.

8. tag – samstag, 12.05.07 – oslo-kongsberg-låmpeland – 125 km / 1.075 hm
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am straßenrand wasserfall in kongsberg
eine sehr anstrengende etappe bei zunächst schönstem wetter – 11-17 grad celsius und meist rückenwind! -, auf der mich egil bis kurz hinter drammen begleitet. anderenfalls hätte ich wohl kaum meinen weg gefunden. wähle ab drammen bis kongsberg eine empfohlene nebenstrecke, die mir allerdings einiges an zusätzlicher kletterarbeit abverlangt.
kongsberg, das in der zweiten häfte des 18. jahrhunderts durch den silberabbau – mit sächsischer bergbautechnik entwickelt – seine blütezeit erlebt, beeindruckt durch die größte barockkirche norwegens und einen imposanten wasserfall mitten durch die stadt.
mittlerweile hat es zu regnen begonnen, wobei ich noch nicht ahne, wie lange ich mich auf diese wettervariante werde einstellen müssen. ich finde telefonisch heraus, dass der angepeilte campingplatz in flesberg noch nicht geöffnet ist, und lande so ziemlich erschöpft und zu müde für wildes zelten im låmpeland hotel. freue mich dort über die einladung eines norwegischen navy-offiziers zum dessert seiner für den 60. geburtstag seiner frau veranstalteten party – eine sehr freundliche gesellschaft!

9. tag – sonntag, 13.05.07 – låmpeland-uvdal – 83 km / 490 hm
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rast im regen pumpkraftwerk bei rødberg meinerster zeltplatz
trotz dauerregens genieße ich die atemberaubende landschaft des numedal tals, durch das der numedalslågen teils breit und gemächlich, teils – an engpässen – über imposante schnellen fliesst und mich immer wieder mit neuen eindrücken zum verweilen bringt. dabei passiere ich norwegens größtes pumpkraftwerk in rødberg mit einer falltiefe von 320 m.
da ich bereits etwas vor meinem plan bin, entscheide ich mich am plötzlich sonnigen nachmittag, am ufer des lågen erstmals mein zelt aufzuschlagen. falle im mollig warmen schlafsack in einen tiefen schlaf, aus der mich am morgen regenklopfen aufweckt

10. tag – montag, 14.05.07 – uvdal-geilo – 61 km / 1.287 hm
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streckenprofil nach geilo bin ich auf winteurlaub?
ich hatte nicht damit gerechnet, dass ich heute bereits meine norwegische härteprüfung durchstehen muss: das zelt einpacken, während es wie aus eimern schüttet, und dann – gestärkt mit einem kopje koffee eines freundlichen holländischen ehepaars in ihrem obligatorischen wohnwagen – losfahren im strömenden regen, der sich bei temperaturen knapp über dem gefrierpunkt immer wieder in schnee verwandelt, sowie drei anstiege mit bis zu 13 % über distanzen zwischen 3 und 7 km und abfahrten bewältigen und dabei die gesamte ‚wintergarderobe‘, die ich eigentlich erst nördlich des polarkreises einzusetzen vorhatte, bereits einem eignungstest unterziehen.
am ende stehen fast 1.300 höhenmeter und eine durchschnittliche steigung von 6 % in der statistik. kein wunder, dass ich im wintersportort geilo nur noch schnell ‚in die hütte‘ will. ein freundlicher touristinfo-mann, der lange nach büroschluss noch extra meinetwegen angefahren kommt, weist mir den weg.

11. tag – dienstag, 15.05.07 – geilo-eidfjord – 96 (57) km / 604 hm
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warten auf den schneepflug konvoispitze im schneepflug vøringsfossen
bei strahlendem sonnenschein, temperaturen knapp über null und kräftigem gegenwind geht es in den gut 20 km langen anstieg nach haugastøl, von wo aus die fahrt über nordeuropas größtes hochplateau, die hardangervidda, das heutige highlight werden soll. aber nach 26 km ist schluss, denn wegen sturms und schneeverwehungen ist die e7 nach bergen gesperrt. ein sogenanntes brøytebil – ein schneepflug – führt die vor einer schranke wartenden fahrzeuge im konvoi über die strecke. und so fahre ich knapp 50 km bequem durch eine in gleißendes sonnenlicht getauchte tiefverschneite hochebene und außer an den teilweise die ganze strasse verschliessenden schneewehen merke ich im führerhaus des brøytebils nichts von dem tosenden nordwest sturm.
auf der sich 30 km vor eidfjord anschließenden abfahrt durch schneetreiben und regen gegen den wind passiere ich die berühmten vøringsfossen, wasserfälle, die sich, größtenteils in freiem fall, in eine fast 200 meter tiefe schlucht stürzen, ein eindruck von solcher intensität und macht, dass ich meine gefühle kaum kontrollieren kann. gut, dass das sturmbrausen meine bewunderungsrufe verschluckt und sich die tränen in meinem gesicht mit regentropfen vermischen.
die durch den brøytebil-transfer gesparte zeit gibt mir gelegenheit, in øvre eidfjord das hardangervidda naturcenter zu besichtigen, eine außergewöhnliche ausstellung über fauna und flora dieser ganz besonderen landschaftsform, die lust darauf macht, dieses gebiet einmal im sommer zu durchwandern.

12. tag – mittwoch, 16.05.07 – eidfjord-norheimsund – 74 km / 651 hm
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bei eidsfjord blick über den fjord zur hardangervidda frühling am hardangerfjord
der tag beginnt mit strömendem regen und temperaturen von 5 grad, aber ich erwarte eine relativ leichte fahrt, da die tagesstrecke fast ausschließlich am ufer des hardangerfjords vorbeiführt. doch weit gefehlt! die 2-malige erfahrung von mailand-san remo hätte mich eigentlich warnen sollen: küstenstrecken sind nicht zwanfsläufig flach, und die coppas zwischen genua und san remo ’ne schüppe sand‘ verglichen zu den steigungen von bis zu 12 %, die ich mitsamt gepäck zu bewältigen habe.
entschädigt für die mühen werde ich aber durch das sich allmählich bessernde wetter sowie einmalige aussichten über den fjord, auf dessen nordseite ich mit der fähre von kinsarvik nach kvanndal wechsele und so immer wieder den atemberaubenden blick auf die den fjord überragenden schneebdedeckten höhen der hardangervidda habe.
vorbei an unzähligen teils mächtigen, teils malerischen wasserfällen führt mich der weg nach einem letzten heftigen anstieg schließlich in den hübschen touristenort norheimsund, der schon von den vorbereitungen auf den morgigen norwegischen nationalfeiertag geprägt ist. allerdings nur mit schwierigkeiten finde ich eine – dann auch noch recht teure – unterkunft.

13. tag – donnerstag, 17.05.07 – norheimsund-bergen – 82 km / 1.034 hm

stolze familie am nationalfeiertag auf dem gulfjell die holsterø brücke
drei böllerschüsse und blasmusik treiben mich um punkt 7 uhr an diesem morgen des norwegischen nationalfeiertags aus dem bett. gemeinsam mit den in traditionelle norwegische trachten gekleideten mitgliedern der blaskappelle genieße ich ein üppiges frühstück – irgendwie muss sich die investition ja lohnen – und erfahre interessantes zu den heutigen feierlichkeiten. nahezu alle menschen sind an diesem tag festlich, meist in wertvolle trachten gekleidet, und jeweils die ganze familie zieht los zu umzügen mit musik sowie einer vielzahl norwegischer fahnen und nationaler symbole, gemeinsamem kirchenbesuch, zusammenkünften in versammlungshäusern und schulen sowie festlichkeiten und spielen unter freiem himmel, um die loslösung von dänemark im jahr 1814 zu feiern.
das wetter ist wie bestellt für diesen tag: ein makellos tiefblauer himmel über den schneeweißen höhen der hadangarvidda und dem im sonnenlicht glitzernden hadangarfjord.
so wird auch meine fahrt nach bergen trotz einiger knackigen und langen anstiege zu einem weiteren highlight meiner bisherigen tour. die fahrt von norheimsund über kvamskogen, vorbei an den wasserfällen steindalsfossen und fossen bratt und über den gulfjellet sowie die strecke trengereid-indre arna muss ich immer wieder unterbrechen, um die schönheiten der landschaft einwirken zu lassen und hin und wieder fotos zu schießen.

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