5. teil: stamsund-alta – 08.-14.06.07

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35. tag – freitag, 08.06.07 – stamsund-hammastad – 90 km / 516 hm


einmal mehr entscheide ich mich mit helmut für eine ruhige etappe, die mir ausreichend gelegenheit zur beschaulichen und genießerischen erkundung der lofoten geben soll. das wetter ist wunderbar, woran auch der eiskalte und größtenteils heftig von vorne wehende nw-wind nichts ändert. die meiste zeit opfere ich dem fotografieren, wohl wissend, dass die resultate – vor allem für den später unbeteiligten zuschauer – nur bedingt zufriedenstellend sein werden:

  • die motive geben immer nur einen unzureichenden ausschnitt aus den gesamteindrücken und immer wieder überwältigenden landschafts-panoramen wider;
  • die atmosphäre und ganz besondere stimmung zum zeitpunkt der aufnahme – die vielfalt der gerüche, die gewalt der bergkulisse in relation zur eigenen grösse, die frische der luft und die wärme der sonne auf der haut, das windbrausen oder das rauschen der wasserfälle, die schreie der möwen oder ganz einfach die absolute stille – lassen sich ohnehin nicht einfangen.

und dennoch bin ich immer wieder verführt, die auf mich einstürmenden bilder festhalten zu wollen, einfach um deren vielfalt auch in der rückschau noch zu erfassen.

dass aus den geplanten knapp 75 km dann doch 90 km werden, ist einem spontan eingelegten abstecher nach henningsvær, genannt ‚venedig der lofoten‘, 8 km abseits unserer route, zu verdanken, den helmut und ich dem rat einer 6-köpfigen truppe, ebenfalls radelnder norwegerinnen folgend einlegen. der abstecher sollte sich lohnen, denn dieser im winter von kabeljau-fischern genutzte fischerhafen präsentiert sich als malerisches kleinod, typisch für die lofoten.
später passiere ich svolvær, bekannt als früher anfahrthafen der hurtigruten sowie durch die in der stadt aufragenden zinnen der svolværgeita und dem dort fotografierten sprung von gipfel zu gipfel.

36. tag – samstag, 09.06.07 – hammastad-sortland – 71 km / 365 hm


die heutige etappe wird zu einer spazierfahrt zwischen fjorden: sie verläuft an den mit wenigen steigungen sich erstreckenden ufern von austnesfjord, sløverfjord und hadselfjord zum fähranleger in fiskebøl und weiter nach sortland und bietet immer wieder aufs neue attraktive aussichten. ganz besonders der ausblick auf die landzunge sildpollen, die in den austnesfjord hineinragt, nimmt mich gefangen. die kleine weiße kapelle, die sich malerisch kontrastierend gegen das im sonnenlicht türkis bis dunkelblau leuchtende wasser und die steil aufragenden, noch mit schnee bedeckten berge – die mit den gipfeln auf moskenes höchsten der lofoten – abhebt, ist dabei ein besonders harmonischer blickfang.
mit dem übersetzen von fiskebøl nach melbu verlasse ich die lofoten und erreiche die zum gleichen archipel gehörenden vesterålen. die langøysundetbrua, von der sich abermals ein wunderbarer ausblick, u.a. auf eine ausschließlich von vogelkolonien bewohnte insel, bietet, verbindet hadseløya mit langøya, auf der das tagesziel sortland liegt.
vorher aber sollte mich noch der anblick des ersten in freier wildnis gesehenen seeadlerpaares, das majestätisch seine kreise im aufwind der felsigen berge zieht, begeistern.

37. tag – sonntag, 10.06.07 – sortland-harstad (tromsø) – 75 km / 666 hm
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den ursprünglichen plan, für das übersetzen nach tromsø die ab andenes an versterålens nordspitze gehende fährverbindung zu nutzen, gebe ich zugunsten der günstigeren schnellbootverbindung harstad-tromsø auf. das sollte sich als gute entscheidung herausstellen, denn aufgrund der nun um rund 30 km kürzeren etappe und guter form läßt mich die so erreichte nachmittagsfahrt bereits um kurz vor 19:00 uhr tromsø erreichen. hier lege ich wie geplant einen ruhetag vor dem letzten abschnitt vor dem ersten wichtigen reiseziel, den rund 500 km zum nordkap, ein.
vorher führt mich eine relativ leichte fahrt mit nur einer wesentlichen steigung – trotz der auf die distanz gerechnet nicht geringen höhenmeter und nicht zuletzt auch dank helmuts bewährter ‚windbreaker‘-arbeit – recht gelassen durch eine friedliche landschaft, die mitunter assoziationen zur schweiz hervorruft. in tromsø endet dann aber auch wohl bis auf weiteres die nun schon seit trondheim oder mehr als zwei wochen andauernde schönwetter-periode, und ein grauer, tief verhangener himmel kündigt bereits den in der nacht einsetzenden regen an. der wenig attraktive, typische stadtcampingplatz in tromsdalen passt da irgendwie zum gesamtbild.

38. tag – montag, 11.06.07 – tromsø (ruhetag)
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auch der heutige tag lädt nur wenig zum eigentlich vorgesehenen stadtbummel ein, da der himmel seine schleusen geöffnet hat. so verbringe ich die meiste zeit in der öffentlichen bibliothek zur aktualisierung meines weblogs. und in einigen wenigen ‚lichten‘ momenten gelingen mir auch ein paar touristische schnappschüsse, wobei ich nachempfinden kann, weshalb man im übrigen norwegen von tromsø als einem ganz besonderen ort spricht. sehr schnell vermittelt sich der eigene reiz dieser sehr lebhaften stadt mit ihren ‚rosaroten nächten‘, in denen sie – quasi als kompensation für die langen dunklen wintermonate – nicht zur ruhe zu kommen scheint. so geht auch das fußballturnier neben dem campingplatz bis nach mitternacht weiter.

39. tag – dienstag, 12.06.07 – tromsø-rotsundelva – 102 km / 689 hm
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im regen verlasse ich tromsø ein wenig enttäuscht, nur so wenig mitgenommen zu haben von dieser stadt, werde aber sehr bald entschädigt:

  • das wetter bessert sich zusehends;
  • der wind bläst freundlich von hinten;
  • die erste fähre, die gerade abgelegt hat, kehrt um, um helmut und mich – sowie nebenbei dann auch einen reisebus – mitzunehmen;
  • die zweite fähre fällt wegen defekts aus, aber die suche nach einem privaten bootsbesitzer, der helmut und mich gegen ein angemessenes entgelt übersetzt, gestaltet sich erfolgreich;
  • die fahrt entlang des lyngenfjords bietet eine überwältigende aussicht auf das mächtige lyngenmassiv, den ‚lyngenalpene‘, mit seinen weissleuchtenden gipfeln und gletschern.

in guter laune erreiche ich schließlich rotsundelva.

40. tag – mittwoch, 13.06.07 – rotsundelva-alteidet – 106 km / 1.308 hm
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irgendwie komme ich heute nicht aus den schuhen und freue mich über den frühaufsteher helmut, der es mit fassung erträgt, dass ich erst um 10:30 uhr abfahrtbereit bin.
da weiß ich auch noch nicht, was mich heute erwartet: drei kräftige anstiege, wovon der auf den kvænangsfjellet (6,5 km bei 7-10 %) fast fahren bis zum anschlag bedeutet. umso intensiver die begeisterung über den ausblick auf den kvænangsfjord mit den inseln kvænangen und nølan. diese wird auch nicht geschmälert durch den touristisch-kommerziellen hüttenkomplex am gipfel, wo ich mich den fragen einer wissbegierigen französischen reisegruppe zu meiner tour stellen muss. interessant auch die kurz vor dem gipfel zu sehenden erdhütten, die einstmals den nomadisierenden samen als unterkünfte in der rauhen landschaft dienten.
auf dem anvisierten, allerdings überraschend verlassenen campingplatz in alteidet finde ich schließlich ein schönes plätzchen direkt am fluss…(!)

41. tag – donnerstag, 14.06.07 – alteidet-alta – 99 km / 832 hm
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dieser tag beginnt bereits sehr früh: beim nächtlichen ‚bio-break‘ um 02:00 uhr trete ich aus dem zelt in knöcheltiefes wasser und stelle fest, dass ich den rückstau des tidenhubs in den fluss nicht bedacht habe. so wecke ich helmut – mit hohem aufwand! -, und in einer ‚hau-ruck‘-aktion werden die zelte umgestellt. am morgen gelingt es dank eines kräftigen windes, die gesamte radkleidung fast wieder trocken zu bekommen.
die fahrt nach alta verläuft durch eine sehr wellige, mit kurzen anstiegen gespickte landschaft, die – abgesehen von einigen schönen ausblicken – keine besonderen highlights aufweist. eher unangenehm fallen die hütten der samen auf, die – in trachten gekleidet – billige souvenirs und rentierfelle anbieten. eine ausnahme macht da die einfahrt in das vegetationsreiche alta. hier gedeihen aufgrund eines besonderen mikroklimas für die region ungewöhnliche pflanzen wie kartoffeln und sogar weintrauben, wie man mir berichtet. von dem wahrheitsgehalt kann ich mich allerdings nicht selbst überzeugen.

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