4. teil: namsos-stamsund – 01.-07.06.07

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28. tag – freitag, 01.06.07 – namsos-hofles – 58 km / 663 hm


heute mittag kann ich endlich dank des von ‚bjerve’s sykkel- og motorverksted‘ neu eingespeichten hinterrads meinen wieder voll einsatzbereiten off-rohler besteigen und gemeinsam mit helmut die weiterreise antreten. diese führt mich nach einem – zur umgehung eines tunnels – kräftigen anstieg aus namsos heraus durch eine stark zerfurchte, abwechslungsreiche fjordlandschaft mit immer wieder neu begeisternden ausblicken.
typische norwegische freundlichkeit erlebe ich einmal mehr bei einer verpflegungspause und der begegnung mit kristina und egil, die in einer kleinen, malerischen fjord-bucht vor ihrem wohnwagen ebenfalls gerade vespern und helmut und mich spontan zum kaffee einladen. sie präsentieren voller stolz ihr boot, das sie für einen in zwei jahren geplanten island-törn selbst restaurieren und ausbauen. die zeit dafür hat egil, da er nach 14 tagen arbeit auf einer ölplattform jeweils 2-3 wochen frei hat und sich so seinem boot widmen kann.
aufgrund des späten starts ist die heutige etappe bereits nach knapp 60 km in hofles auf einem wunderschönen, direkt am strand gelegenen, von einem aus rotterdam geflohenen holländer geführten campingplatz zuende. mit einem lagerfeuer am strand und ein wenig mundharmonika spielen gestalte ich den ansonsten kaum spürbaren übergang in die taghelle nacht.

29. tag – samstag, 02.06.07 – hofles-vik – 97 km / 918 hm


im ersten teil dieser etappe, die sich mit rund 70 km roller-coaster profil als besonders kräftezehrend darstellt, werde ich manches mal an die voralpen erinnert. land- und viehwirtschaft in der klimatisch begünstigten lage und der charakter der relativ sanften berge prägen diesen eindruck. plötzlich aber ändert sich das bild, und die fahrt führt durch eine zerklüftete schärenlandschaft und vorbei an wuchtigen gebirgszügen mit blanken, vom eis des terziärs abgeschlifffenen kuppeln, aus deren schneefeldern wasserfälle ins tal stürzen.
das ursprünglich angepeilte tagesziel brønnøsund erreiche ich nicht ganz, da helmut an einer tankstelle spontan ein paar bier zum tagesabschluss kauft – zuätzliches packgewicht! – und wir so aus gutem grund einem nahegelegenen fischercamp am strand von bjørnvika den vorzug geben.
habe heute übrigens die 2.000 km marke überschritten!

30. tag – sonntag, 03.06.07 – vik-levang – 120 km / 563 hm


nach der anstrengenden vortages-etappe rolle ich heute flott mit rückenwind und abermals bei bestem wetter über eine zunächst fast komplett flache piste, die mir nach rund 35 km in berg einen tollen ausblick auf den 260 m hohen torghatten bietet – ein berg südlich von brønnøsund, in dem ein riesiges loch klafft, das entweder durch ausspülungen am ende der eiszeit oder – der legende nach – durch einen verirrten pfeil entstanden ist. den himmel sehe ich – wohl aufgrund falscher perspektive – nicht durch das 160 x 30 m große loch scheinen.
eine besondere attraktion ist der elch, der von mir kaum beeindruckt am straßenrand grast und sich erst beim zücken der kamera verschämt in den birkenwald zurückzieht, von wo aus er mich allerdings neugierig beäugt.
trotz zweifacher mehrstündiger wartezeit auf die fähren in horn und in vega entschließe ich mich – auch wegen fehlender campingplätze – zu einer lang-etappe bis nach levang weit nördlich von sandnessjøen, wo ich die imposante und elegante helgelandbrua überquere. nach 120 km fordert eine hügelige und unbefestigte route zu einem allerdings reizvoll über der hafenbucht gelegenen fischercamp die letzten reserven.

31. tag – montag, 04.06.07 – levang-tonnes – 51 km / 436 hm


nach intensivem kartenstudium und der erkenntnis, dass ich mir weitere – wegen für radfahrer unpassierbarer tunnel – mehrfach notwendige ‚unproduktive‘ fährfahrten mit den unvermeidbaren wartezeiten ersparen will, entscheide ich mich mit helmuts zustimmung für eine kurzetappe nach tonnes. den ausschlag gibt dabei eine kundige postbeamtin, die mich auf die direkte schnellbootverbindung von diesem flecken am nächsten morgen nach bodø verweist.
das stellt sich als ein wertvoller geheimtipp heraus, denn schließlich lande ich in tonnes auf einem zwar verlassenen, aber wundervoll gelegenen campingplatz in einer stillen bucht mit breitem sandstrand, an dem helmut und ich unsere zelte aufschlagen. mit baden im meer und genießen der sich immer wieder verändernden stimmung des meerpanoramas endet der tag.

32. tag – dienstag, 05.06.07 – tonnes-bodø – fährfahrt


sehr früh, 05:00 uhr morgens, breche ich mein zelt am traumstrand ab, um einerseits nicht auf das ausgiebige frühstück zu verzichten, andererseits aber rechtzeitig zur abfahrt nach bodø im hafen von tonnes zu sein. ein besonderes schauspiel bietet eine riesige nebelwand, die von meerseite heranzieht und teilweise wie ein wasserfall über die die bucht einrahmenden berge herabfällt.
der nebel ist auch schuld, dass ich auf der fahrt nach bodø nur wenig von der von zehntausenden von schären geprägten küste sehen kann; das überschreiten des polarkreises verpasse ich aber nicht und genehmige mir daraufhin in bodø mit helmut ein bier.
bodø, 1940 von den deutschen komplett zerstört, bietet wenig charme, liegt aber vor einer eindrucksvollen bergkulisse. von hier aus werde ich mich morgen mit der fähre nach moskenes auf den lofoten aufmachen (eigentlich muss es der lofoten heissen, denn ‚lofot‘ ist das norwegische wort für ‚luchsfuchs‘ und die endung ‚en‘ der bestimmte artikel: lofoten = der luchsfuchs).

33. tag – mittwoch, 06.06.07. – fährfahrt bodø-moskenes/lofoten – 13 km / 110 hm


ursprünglich geplant, die morgenfähre nach moskenes am südlichen zipfel der lofoten zu nehmen, entschließe ich mich nach kurzer überlegung zu einer exkursion mit dem linienbus zum saltstraumen, einem ganz besonderen naturschauspiel:
durch eine nur 150 m breite und 3 km lange passage zwischen den inseln straumøya und kapplundsøya knapp 30 km südlich von bodø zwängt sich eine tidenströmung mit unvorstellbaren wassermassen (376 millionen kubikmeter in 6 stunden) in einer geschwindigkeit von bis zu 20 knoten = ca. 13 km/h. von der diese enge in 40 m höhe überspannenden saltstraumenbrua schaue ich sprachlos auf dieses dramatische schauspiel. ich konnte einen seehund beobachten, der es nicht vermochte, gegen den strom anzuschwimmen (message for elenia, mariana and artis: it’s a pitty, you really missed an exceptional phenomenon!).
so wähle ich die abendfähre nach moskenes für die gut 3-stündige überfahrt, die einen unerwarteten, sehr nachhaltigen eindruck hinterlassen sollte. das weichbild von bodø und die schneebedeckten gipfel des festlands hinter uns lassend nähern wir uns der plötzlich am horizont erst schemenhaft, dann immer deutlicher steil aus dem meer aufragenden, die sonne schließlich verdeckenden und beinahe bedrohlich wirkenden bergsilouette der südlichen lofoten – ein fast unwirkliches bild, das mir das gefühl gibt, in eine andere welt einzutauchen. und so ist es tatsächlich: eine unvergleichliche landschaft von ganz besonderem reiz und mit einer noch nie erlebten stimmung tut sich auf. die eng an die füße der rauhen, teilweise nackten felsgipfel gedrängten fischerorte mit ihren farbigen, auf pfählen gestelzten holzhütten, die kleinen malerischen fischereihäfen, die sich um die buchten windenden, in den fels gehauenen straßen – eine einzigartige kulisse mit rauhem und doch anheimelndem charme.
in dem südlich von moskenes liegenden örtchen å, von einem zeltplatz auf einem spärlich bewachsenen felsen rund 50 meter über meereshöhe, schaue ich noch bis spät in die nacht über das meer auf die im rosaroten licht der nachtsonne scheinenden schneegipfel des festlands.

34. tag – donnerstag, 07.06.06 – å-stamsund – 73 km / 657 hm
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helmut und ich sind uns heute morgen schon einig: die lofoten sind das absolute highlight unserer tour. diese einschätzung bestätigt sich während unserer zwangsläufig kurzen etappe immer wieder: ständige foto-stopps hindern uns ohne bedauern an zügiger weiterfahrt auf der bisher schönsten tagesetappe.
die normalerweise auf den lofoten so selten scheinende sonne versteckt sich für mich nur einmal, als mich die route an die stürmisch kalte nordküste führt und der übliche nebel vom nordmeer die landschaft überdeckt. aber immer wieder tun sich dramatische bilder auf durch den schnellen wechsel von strahlend-blauem und dann wieder nebelverhangenen himmel.

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