3. teil: kristiansund-namsos – 25.-31.05.07

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21./22. tag – frei/sa, 25./26.05.07 – kristiansund-trondheim (schiff) /
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abendstimmung im hafen von kristiansund nächtliche einschiffung auf die hurtigruten fahrt in die morgensonne über dem trondheimsfjord
da ich mittlerweile erkannt habe, dass fähren in norwegen ein integrierter bestandteil des straßennetzes sind, habe ich längst meinen falschen ehrgeiz aufgegeben, die gesamte distanz zum nordkap, also auch jeden möglichen kilometer, im fahrradsattel zu bewältigen. so entschließe ich mich kurzerhand, mich auf der wenig attraktiven und ohnehin kaum nach norden führenden teilstrecke nach trondheim mit der erfahrung einer hurtigruten-fahrt zu ‚verwöhnen‘. wie sich nach langer wartezeit bis zur abfahrt 02:00 uhr nachts, überwiegend in einem irish pub, herausstellt: eine weise entscheidung, denn die fahrt in den trondheimsfjord ist auch ohne den mir versagten komfort einer sündhaft teuren kabine und trotz totaler übermüdung ein absolutes higlight. um 08:15 uhr komme ich ins – leider nur für eine kurze weile – sonnige trondheim und ’niste‘ mich zunächst einmal im lokalen ‚vandrerhjem‘ (die norwegische variante einer jugendherberge) ein.

den anschließenden tag verbringe ich im wesentlichen mit einkäufen und dem up-date meines weblogs. das hochladen der bilder nimmt doch immer eine recht lange zeit in anspruch und ist auch nur in gewinnorientierten internet-cafes möglich, aber leider nicht in den öffentlichen bibliotheken, in denen der internet-zugang kostenfrei ist (i.d.r. für eine max.-zeit von 1 stunde). auch tausche ich das von der homebase erhaltene päckchen, hauptsächlich mit lesestoff-nachschub, gegen eine rücksendung nicht wirklich essentieller dinge, wie z.b. ein 2. handtuch, aus.

nidarosdom und olav trygvasson statue fenster im nidarosdom der letzte winkinger stolze norwegerin in regionaler tracht
spuren des verheerenden brands aus dezember 2002 gamle bybrua - alte stadtbrücke speicherhäuser am nidelv
meine spontane, nette fremdenführerin hilda auf trondheims berühmter fahrradlift festung kristiansten

am zweiten tag widme ich mich dann ganz den reichhaltigen sehenswürdigkeiten der alten hauptstadt und jahrhunderte langen krönungsstätte der norwegischen könige trondheim. die hinweise hildas, die ich vor der bibliothek treffe und mit der ich ein langes, aufschlußreiches gespräch über die norwegische volksseele führe, sind mir dabei besonders hilfreich (hilda: you missed a wonderful jazz concert!).
selbstverständlich gehört an allererster stelle der mächtige nidaros-dom, das bedeutendeste norwegische baudenkmal aus der übergangszeit von der romanik zur gotik, dazu. glüklicherweise kann ich eine hochzeit erleben, deren gesellschaft überwiegend festlich in traditionellen trachten gekleidet ist.
beeindruckt bin ich von der städtearchitektonischen lösung, mit der man aus einem alten, heruntergekommenen werftgelände am rande der innenstadt – ähnlich åkers brygge in oslo – einen modernen, sehr attraktiven bereich mit restaurants, geschäften, büros und galerien geschaffen hat: sjøland.
traurig hingegen der anblick der erst vor wenigen tagen einem, in dramatischen tv-bildern aktuell erlebten, brand zum opfer gefallenen historischen holzhäuser am alten hafen.
bei einem besuch der wuchtigen, die stadt überragenden kristiansten-festung, anziehungspunkt für bbq-parties, sportler aller gattungen, liebespaare und touristen, lerne ich eine interessante steighilfe für radfahrer am fuße des brubakken-hügels kennen, die ich auf meiner tour gerne manches mal zur verfügung gehabt hätte: eine in schienen eingelassene fußstütze, die einen gegen ein paar kronen den berg hochschiebt!
über die gamle bybrua (alte stadtbrücke) gelange ich schließlich in das romantische bakklandet mit seinen urigen kneipen, gemütlichen klubs und landestypischen restaurants. schön, dass ich dort gerade das bakklandet skydsstations festival erleben kann mit freiluft-improvisationstheater, ausstellungen, trödelmarkt, konzerten etc.
davon profitierend klingt für mich der abend in der skydsstastion aus bei der spezialität fischsuppe und dem konzert eines trios, das hervorragenden skandinavischen modern jazz in anlehnung an e.s.t. (esbjørn svensson trio) spielt.

23. tag sonntag, pfingsten, 27.05.07 – trondheim-røra – 98 km / 1.063 hm
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vorbei an der insel munkholmen sonnenlicht auf dem trondheimsfjord am trondheimsfjord - mein erstes eigenes mahl
endlich geht’s weiter! frisch gestärkt, gut erholt und in bester stimmung – die sonne scheint! – mache ich mich kurz nach 9 uhr auf den weg zum fähranleger nach vanvika, wo ich – ein vorrübergehender stimmungsdämpfer – gerade die letzte fähre für die nächsten zwei stunden verpasse. dann geht’s vorbei an der im fjord vor der hafeneinfahrt liegenden kleinen insel munkholmen, auf der zur zeit der christianisierung norwegens ein kloster erbaut wurde, das später als munitionslager und gefängnis diente. heute sind auch noch reste der im zweiten weltkrieg errichteten deutschen fliegerabwehrkanonen zu sehen.
die anschließende fahrt entlang der nordseite des trondheimsfjords nach leksvik mit ständig neuen eindrücken der bei wechselhafter bewölkung sich immer wieder ändernden landschaftsstimmung lässt den ärger über die zeitverzögerung jedoch schnell verfliegen.
nach einem relativ langem anstieg weg von der küste über grøsjøan durchquere ich ein einsames waldgebiet mit herrlichen badestellen an dem malerisch in fichten- und birkenwald eingebetteten meltingensee. über mosvik gelange ich schließlich bei røra auf einen herrlichen campingplatz und genieße das abendessen vor meinem zelt mit blick auf den in der abendsonne glitzernden trondheimsfjord.

24. tag – pfingstmontag, 28.05.07 – røra-namsos – 102 km / 665 hm

pacemaker helmut zwangsmuße - nur gelassen bleiben ernährungsminimalist helmut
das sollte eine denkwürdiger tag werden, der meine tour in mehrfacher hinsicht nachhaltig beeinflusst:

  • der wechsel zu schönem wetter hat auch einen richtungswechsel des bisher so hilfreichen rückenwindes zur folge. eine kräftige, mitunter stürmische brise weht jetzt frontal von vorne und steigert den energieverbrauch und mindert das durchschnittstempo.
  • nach 35 km treffe ich bei einer verschnauf- und verpflegungspause auf helmut (57 jahre) aus stade, der ebenfalls alleine mit nahezu gleicher intention und ausstattung wie ich auf dem weg zum nordkap ist. nach kurzem beschnuppern sind wir uns einig: leistungsvermögen, temperament und reisestil passen zueinander, also werden wir zusammenbleiben, solange unsere reiseziele sich decken. welch ein glücksfall! helmut erweist sich als windfester nordländer mit ausreichend breitem kreuz und kräftigem tritt, um mir bereitwillig kräftesparenden windschutz zu gewähren.
  • 10 km vor dem etappenziel namsos dann der schock: ein 20 cm langer riss in der bremsflanke der hinterradfelge – eindeutig ein konstruktionsfehler – lassen mich den letzten tagesabschnitt ‚wie auf eiern‘ nur im stand absolvieren. im telefonischen kontakt mit dem sichtlich betroffenen und äußerst kooperativen und hilfsbereiten bikebasics-chef, gerrit gaastra, und seinem team wird das einfliegen des notwendigen ersatzteils eingeleitet.

25.-27. tag – die, 29.-do, 31.05.07 – namsos – zwangsruhetage

die gute fee wenke fahrrad-fachwerkstatt in namsos leisure time mit helmut in namsos
dank der überaus freundlichen hilfe und vermittlung von wenke, der frau des campingplatzbesitzers, gelingt es, dem ups-overnight service nach trondheim eine weiterleitung der ersatzfelge nach namsos durch einen privatmann anzuschließen, so dass die reparatur (ent- und neu einspeichen des hinterrades) durch den uralten, aber hochkompetenten besitzer einer absolut chaotischen fahrradwerkstatt voller schrotträder sichergestellt werden kann.
so machen helmut und ich aus der not eine tugend und genießen die ungeplante unterbrechung bei schönstem wetter in der an sich wenig attraktiven stadt namsos, die – im zweiten weltkrieg von den deutschen total zerbombt und von schweden wieder aufgebaut – mit ihrer einheitlich modernen architektur und den dominanten shopping malls eher an eine mittelamerikanische kleinstadt erinnert.

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