2. teil: bergen-kristiansund – 18.-24.05.07

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14. tag – freitag, 18.05.07 – bergen (ruhetag)
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bergen brygge bergen fassaden bergen fischmarkt
heute schlafe ich in ruhe aus, gönne mir ein ausgiebiges frühstück in der halbwegs gemütlichen ‚hytte‘ 10 km südlich vom zentrum bergen und nehme mir einige besorgungen in der hübschen und traditionsreichen, ehemaligen hansestadt bergen vor. so dehne ich den aufenthalt hier aus touristischen sowie regenerativen gründen ein wenig aus und kaufe mir ein fährticket zum nächsten etappenort rysjedalsvika – eine strecke, die von seeseite besonders attraktiv sein soll.
leider beeinträchtigt das wetter mit seinen heftigen regenstürmen das sigthseeing doch erheblich. dennoch nehmen mich ‚brygge‘, das alte hafenviertel mit seinen bunten holzhäusern, sowie die verwinkelten gassen und schönen fassaden dieser fast 1.000 jahre alten stadt mit ihrem charme sehr schnell gefangen.
sehr interessant das spontan auf dem radweg entstehende ausführliche gespräch mit einem norweg. offiziersveteran – in vorzüglichem deutsch (zahntechnik-studium in marburg und hamburg) – über die norweg. gesellschaft, deren homogenität und die sorge um die bedrohung derselben.

15. tag – samstag, 19.05.07 – bergen-dale – 61 km / 618 hm
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bergen im regen - wie (fast) immer einer der unzähligen mächtigen wasserfälle historische brücke bei rysjedalsvika
gelassen gehe ich in den tag, da ich mich ja für eine fährfahrt am nachmittag nach rysjedalsvika entschieden habe. die vorgesehene etwas ausführlichere besichtigung bergens am vormittag fällt allerdings im buchstäblichen sinne ins wasser. das wetter ist einfach zu schlecht, was sich während der überfahrt und bei der ankunft in rysjedalsvika auch nicht ändert. und dann ist auch der angepeilte campingplatz geschlossen. wildzelten bei dieser witterung will mir auch nicht so recht gefallen. also heisst es: weiter radeln!
nach unvorhergesehenen rund 60 kilometern durch eine wunderschöne waldlandschaft mit mächtigen wasserfällen und stimmungsvollen gebirgsseen lande ich trotz allem in guter stimmung in dale.

16. tag – sonntag, 20.05.07 – dale-byrkjelo – 110 km / 904 hm
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noch ein mächtiger wasserfall jølstravatnet våtedalen äsung in trockener hütte
auch heute dehne ich die etappe über das ursprünglich vorgesehene ziel aus. mir erscheint die strecke aber zunächst wohl zu leicht, sodass ich sie – natürlich ungewollt! – mal eben um einen 6 km langen anstieg mit bis zu 14 % / Ø 8 % ‚ergänze‘. dafür werde ich aber anschließend umso mehr belohnt und zwar bei einem abstecher zu dem gewaltigen 90 m hohen huldrefossen sowie zwei außergewöhnlich schönen abschnitten:

  • die südliche route entlang des von einer unzahl eindrucksvoller wasserfälle gespeisten sees jølstravatnet, der wohl vor der letzten eiszeit auch ein fjord war und bei dessen überfahrt über eine relativ lange brücke mir der grossartige ausblick auf festlands-europas größten gletscher jostedalsbreen (rund 550 qkm!) sowie in den kjøsnesfjord fast den atem raubt;
  • die abschließende fahrt nach byrkjelo durch das enge våtedalen, das mit seinem durch liebliche wiesen träge und breit mäandernd dahinfließenden fluss und den wuchtigen, beiderseits bis zu 1.400 m fast bedrohlich steil aufragenden, felswänden einen interessanten kontrast bietet.

das alles lässt mich den nahezu ununterbrochenen regen und die kühlen temperaturen – fast – vergessen.

17. tag – montag, 21.05.07 – byrkjelo-nordfjordheid – 107 km / 948 hm

hinter byrkjelo blick auf stryn hornindalsvatnet
eine kleine sensation: dieser tag wird der zweite absolut regenfreie tag in norwegen! aber das musste wohl erst erarbeitet werden, denn gleich aus byrkjelo hinaus führt mich ein abermals 6 km langer anstieg mit Ø 7-8 % / max. 15 % steigung auf die passhöhe bei 600 m, von wo sich ein großartiger blick zurück in das våtedalen auftut. gleichermassen adrenalin-fördernd dann die abfahrt, auf der bei einer der immer wieder einzulegenden genuss-stopps die unterhaltung mit einem neuseeländischen touristenpaar für kurzweilige abwechslung sorgt.
nun folgt eine relativ lange fahrt um den nordfjord zu dem industriestädtchen stryn, dem eingang zu einem erneut 6 km langen knackigen anstieg mit dem dann sich anschließenden fleißkärtchen: traum-ausblick.
nach einem abermals in gutem deutsch geführten gespräch mit dem galeriebesitzer ervik in olden, der sechs jahre bei der koelnmesse gearbeitet hat und mir wärmstens einen besuch seiner heimatstadt ålesund empfiehlt, bildet – bei plötzlich einsetzendem sonnenschein und leichtem rückenwind! – eine wunderbare 20 km strecke nach nordfjordeid entlang des südufers des hornindalsvatnet den tagesabschluß.

18. tag – dienstag, 22.05.07 – nordfjordeid-ålesund – 132 km / 1.429 hm
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blick auf åheim wasserfall vor koparnes
aus einer ursprünglich geplanten kurz- wird die bisher längste und – nach dem anstieg nach geilo – steilste etappe überhaupt, bei der ich insgesamt vier fjorde tangiere.
das problem: es findet sich keine freie bleibe für die nacht, topographie und klima machen wildzelten quasi unmöglich, und so muss ich halt so lange radeln, bis ich eine unterkunft finde. dazu kommt noch der ständig notwendige kleiderwechsel, der zeit und nerven kostet:

  • in der ebene und vor abfahrten: windschutz aus, regenkleidung (hose, jacke, überschuhe, handschuhe, helmüberzug) an;
  • nach warmwerden im anstieg: regenkleidung wieder aus, windschutz schnell wieder an, und in der steigung erneut anfahren.

aber dann wieder ein leckerchen: der ausblick bei einem kurzen aufhellen des grauen, regenverhangenen himmels auf die steil ins meer fallenden felswände kurz vor der fähranlegestelle koparnes mit dem riesigen ‚wallenden‘ wasserfall breiteigsfossen, dessen wasser immer wieder vom heftigen aufwind zurück nach oben geblasen wird – ein sensationelles schauspiel!

von koparnes geht’s zunächst mit der fähre nach arvik, dann weiter mit dem rad nach hareid, von wo aus ich, wieder per fähre, fiskarstranda und, erneut per rad, schließlich ålesund erreiche, zwar reichlich erschöpft, nicht aber ohne wahrzunehmen, dass erviks hinweise ihre berechtigung haben.

19. tag – mittwoch, 23.05.07 – ålesund-molde – 71 km / 504 hm
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ålesund versuch der alten dame molde - hotel rica seilet
eigentlich ein furchtbarer tag, wäre da nicht norwegens wahrscheinlich hübschester fischereihafen, dessen besichtigung ich – angesichts der vorgesehenen kurzetappe von nur 71 km – bereitwillig den ganzen vormittag widme und bei der vielzahl der verlockenden motive bedauere, keine bessere fotoausrüstung zur hand zu haben. diese, nach einem verheerenden brand in 1907 total zerstörte und fast durchgängig, teils mit unterstützung des deutschen kaisers, im jugendstil wieder aufgebaute stadt bietet unzählige reizvolle fotomotive.
schön, wie sich die ältere dame des ansässigen rentnervereins bemüht, mir auf englisch die besonderheiten ålesunds, u.a. eine vielzahl von skulpturen, zu erläutern, um mich anschließend noch vor wirkungsvoller kulisse zu fotografieren.
die kurzetappe stellt sich dann noch als ein stück schwerstarbeit heraus: statt der erwarteten flachstrecke stellt sich mir eine 17 km lange unbefestigte, mit schlaglöchern gespickte roller-coaster piste mit ständigem wechsel von kurzen bis zu 15 % steilen ‚hubbeln‘ in den weg – ätzend!
ich hatte nämlich vor meiner abfahrt dazu noch einen gravierenden fehler begangen: mit hungrigem magen eingekauft. bekanntlich kauft man dann stets zu viel. macht nichts bei einer flachetappe – dachte ich.
den zielort molde, eine wegen ihres jazzfestivals bekannte (dieses jahr kommen im juli u.a. chick corea, gary burton, wayne shorter!), architektonisch interessante (z.b. stadion, bjørnssonhuset!) und sehr moderne stadt, erreiche ich in strömendem regen und entsprechender stimmung: 🙁

20. tag – donnerstag, 24.05.07 – molde-kristiansund – 85 km / 819 hm
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raue nordmeerküste storseidsund-brücke kristiansund
eigentlich wieder eine kurze etappe, die mir aber durch die ’schlechten beine‘, den teilweise stürmischen gegenwind und das sehr wechselhafte wetter (stichwort: umziehen!) nicht leicht fällt. sie führt mich zunächst durch eine wenig eindrucksvolle landschaft, was sich aber schlagartig ändert, als ich die nordseeküste unmittelbar erreiche: stark geaderte, vom eiszeit-gletschereis abgeschliffene felsen in stürmischer see, plötzlich unterbrochen von der architektonisch eigenwilligen ’storseidsund‘-brücke, von der angler ihr hobby trotz heftigster regenstürme mit reichlichem erfolg betreiben, und eine von der höhe kurz vor dem fähranleger in bremsnes wunderschöne aussicht auf den auf drei, durch brücken verbundene, inseln liegenden zielort kristiansund, machen diese etappe dann doch noch zu einem außerordentlichen erlebnis.
dazu gehört dann auch die freundliche dame am fährterminal in kristiansund, die mir wichtige tipps für das sich anschließende, aufgrund der kälte dann leider doch nur kurz ausfallende, sightseeing-programm gibt.

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