3. teil: liepāja/lv-marijampolė/lit – 24.-27.07.07

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81. tag – dienstag, 24.07.07 – liepāja/lv-klaipėda/lit – 111 km / 131 hm
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das warten hat sich gelohnt. denn mittlerweile scheint wieder die sonne, und der südwind hat sich auf ein relativ laues lüftchen reduziert. so mache ich mich nach einem netten morgen-plausch mit den 5 westfalen auf nach klaipėda, dem früheren memel.
der auf halber strecke liegende grenzübertritt von lettland nach littauen ist abermals völlig problemlos, wenn auch nicht von einem gleichermaßen freundlichen lächeln der grenzbeamtin begleitet.
interessant allerdings die durchfahrt durch den festival-ort palanga, nicht nur weil mir ein littauischer podolski-fan vor die linse läuft.
leider ist im bald erreichten zielort klaipėda das angebot an stadtnahen campingplätzen quasi nicht existent, sodass ich mich in einem privatzimmer einquartiere. so kann ich allerdings die für morgen geplante exkursion zum 50 km entfernten nida (nidden) auf der kurischen nehrung problemlos ohne gepäck vorsehen.

82. tag – mittwoch, 25.07.07 – klaipėda-nida und zurück – 114 km / 189 hm
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bei meiner heutigen exkursion auf die kurische nehrung genieße ich das fahren – meist über den wunderbar ausgebauten radweg – ohne gepäck, viel mehr aber den ganz besonderen reiz dieser fahrt durch die kiefernwälder und dünen zwischen haff und ostsee. zum glück wendet sich das anfangs graue, unfreundliche wetter zumindest zeitweise und erlaubt hin und wieder einen sonnenstrahl durch die dichten wolken. beim besuch des thomas mann hauses in nida (nidden) erstrahlt sogar der ‚italienblick‘ in vollem sonnenlicht. da stört auch der touristische auftrieb kaum noch und ich fühle mich für momente in die von arno kurminski in seinem buch ’sommer 44′ so wunderbar beschriebene stimmung versetzt.

83. tag – donnerstag, 26.07.07 – klaipėda-tauragė – 127 km / 205 hm

heute führt mich der erste teil meiner etappe über ruhige nebenstraßen und durch kleine ortschaften des memellands, eine wiesen- und feldlandschaft, in der die zeit vor 70 jahren stehengeblieben zu sein scheint: kleine verstreute bauernhöfe, eingerahmt von gepflegten zier- und nutzgärten, ein- und zweispännige pferdewagen, die mir auf holprigen schotterwegen begegnen, und einzelne kühe, die von einer alten bäuerin oder einem jungen mädchen gehütet werden – alles bilder aus einer scheinbar längst vergangenen zeit.
zu diesen friedlichen bildern passt dann überhaupt nicht mein erster sturz dieser tour auf einem äußerst unwegsamen radweg kurz vor silutė (heyderkrug), der glücklicherweise aber glimpflich verläuft, wie der mithilfe des sehr netten mitarbeiters der touristeninformation, vilautas, konsultierte arzt im örtlichen krankenhaus nach kurzer, aber gewissenhafter untersuchung feststellt. und so kann ich mit nur einem leichten handicap meine fahrt wie vorgesehen bis tauragė (tauroggen) fortsetzen.

84. tag – freitag, 27.07.07 – tauragė-marijampolė – 107 km / 166 hm
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beim frühstück vor meinem zelt, das ich mit erlaubnis des bauern in der nähe eines kleinen hofes aufgeschlagen hatte, überrascht mich der anblick von 6 schnepfen, die mit gereckten hälsen scheinbar leicht empört ob des unbekannten eindringlings, natürlich in gebührendem abstand, so an mir vorbeimarschieren, dass ich mir die frage nach der henne und dem ei stellen muss (mitttlerweile bin ich überzeugt, es waren großtrappen und keine schnepfen – eben schnepfige großtrappen).
auch wenn der tag dann dank einsetzenden regens, zunehmenden gegenwinds und drückender schwüle wenig schön beginnt, werde ich doch bald wieder durch friedliche bilder ländlicher idylle entschädigt. drei-generationen-familien, die vor dem sich abzeichnenden gewitter hastig das heu auf den pferdewagen laden und dennoch zeit finden, mir zuzuwinken, oder bäuerinnen, die kühe noch von hand auf der weide melken; enten, die sich in wiesensenken tummeln oder munter schnatternd durch den garten eines kleines hofes watscheln, truthähne, die bei der suche nach futter allzu zudringliche störche aufgeregt verscheuchen, oder der schimmel in seiner koppel, der mich stolz aufgerichtet auf meiner fahrt beobachtet. in bizarrem und erschreckenden kontrast dazu dann plötzlich der wegweiser zu einem massengrab, an dem eine gedenktafel an den mord an 500 juden vor 66 jahren erinnert.
in sakiai treffe ich beim notwendigen kaloriennachschub auf eine nette 4-köpfige radlertruppe aus deutschland und fachsimple hauptsächlich mit jürgen aus magdeburg über mein idworx trekkingrad. trotz der so ‚verquatschten‘ zeit schaffe ich anschließend noch spielend mein tagespensum und den zeltaufbau kurz vor dem beginnenden gewitter – dieses mal im obstgarten eines kleinen einsiedlerhofes.

überraschend schnell, eigentlich zu schnell ist die zeit in den hübschen städten, den friedlichen landschaften und bei den charmanten menschen der drei baltischen staaten vergangen. hierhin muss ich noch einmal zurückkehren!

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