polska 03.06.-11.06.09

polska

mit links zum jeweiligen standort-bild (google earth)

14. tag – mi, 03. juni 2009 – ueckermünde-sczezin/pl – 61 km / 76 hm meist sonnig01-leichter-regen.jpg

über historische straßen die deutsch/polnische grenze in szcecin (stettin)

nach regnerischer nacht und deutlicher abkühlung führt mich der weg nach szcezin (stettin) durch das hinterland des stettiner und altwarpener haffs, eine wald- und wiesenlandschaft mit kleinen fast vergessenen orten, in denen auf dem kargen sandboden pferdezucht der einzig sinnvolle erwerbszweig zu sein scheint. zunächst über die trasse der historischen schmalspur-eisenbahnstrecke stettin-altwarp, dann über eine bestens asphaltierte straße erreiche ich die nur noch am grenzpfahl und dem von der natur zunehmend in besitz ergriffenen ehemaligen sicherheitsstreifen erkennbare grenze nach polen, von wo aus ich relativ schnell das enttäuschende sczezin erreiche.

im mittlerweile strömenden regen finde ich eine bleibe in der lokalen jugendherberge, wo mir der junge ‚empfangschef‘ in einem aufschlussreichen gespräch die in lokaler politik begründeten defizite dieser stadt erklärt.

15. tag – do, 04. juni 2009 – szcezin-klodkowo – 109 km / 396 hm meist sonnig01-leichter-regen.jpg

nowogard (naugard) am naugarder see rathaus von nowogard - hier heirateten meine eltern 08-1944 die kirche von nowogard in der kirche von nowogard

durch eine recht hügelige landschaft, geprägt vom wechsel zwischen getreide- und rapsfeldern, weiten wiesenflächen und dichtem mischwald kämpfe ich mich gegen den zunehmend auffrischenden nw-wind und schließlich heftig einsetzenden regen nordwärts und statte erst einmal dem schön am see gelegenen nowogard (naugard) einen besuch ab. bewegend der moment, als ich meine eltern anrufe vor dem besagten rathaus sitzend, in dem sie vor fast genau 65 jahren getraut wurden.

auf der weiterfahrt richtung trzebiatow (treptow a. d. rega) finde ich einen idyllisch am fluss gelegenen privaten zeltplatz. glücklicherweise setzt dann auch der regen aus, so dass ich mein abendessen vor dem zelt genießen kann.

16. tag – frei, 05. juni 2009 – klodkowo-mielno – 83 km / 212 hm 00-starker-regen.jpg
unwetter kündigt sich an ostesee im sturmgebraus militärflugplatz in podczelec - das letzte bild vor dem ‘bad’

auf meiner weiterfahrt passiere ich mrzcecynos (deep), wo sich einst lyonel feininger in den sommermonaten durch die ostsee hat inspirieren lassen – so zeigt eins seiner bilder die brücke von trzebiatow -, und kołobrzeg (kolberg), das ich vor zwei jahren bereits besuchte und in dem ich heute von einem heftigen regensturm erfasst werde. bei podczelec geschieht dann grausames: in abweichung von der empfohlenen route überquere ich einen aufgelassenen militärflugplatz, wo mir aufgrund meiner klammen finger beim durchfahren eines hoch mit wasser gefüllten schlaglochs meine digital-kamera ebendort hinein fällt – fotografieren? ende, aus!

also auch keine fotos von den anschließend durchfahrenen typischen polnischen badeorten mit ihren penetranten nippesbuden, kirmesattraktionen und fast-food ständen. zum glück finde ich in mielno (großmöllen) einen sauberen, ruhigen campingplatz.

17. tag – sa, 06. juni 2009 – mielno (großmöllen) – ruhetag meist sonnig

testbild mit der neuen kamera - mein zelt kozalin (koeslin) - polen

der heutige tag ist mit putzen, flicken, pflegen gefüllt und hat als einzig berichtenswertes, dass zur abwechslung mal wieder die sonne scheint und ich im nahegelegenen, ebenfalls vor zwei jahren bereits besuchten kozalin (köslin) eine neue digital-kamera erwerben kann (später dann aber feststellen muss, dass deren speicherkarte nicht mit meinem kartenleser kompatibel ist; weiß also nicht, ab wann’s wieder fotos gibt).

18. tag – so, 07. juni 2009 – mielno-rowy – 100 km / 158 hm 00-starker-regen.jpg

auf einem lochplattenweg marktplatz von darlowo (ruegenwalde) luxurioese ferienhaeuser an der polnischen ostsee

die fahrt gestaltet sich zu beginn recht enttäuschend, denn erstens regnet es wieder und zum zweiten stellt sich die von wohlwollenden menschen empfohlene abkürzung als unbefahrbar heraus = unnötiger umweg. entschädigt werde ich nach dem passieren von ustka (stolpmünde) mit seinen großartigen sandstränden durch den besuch des vom krieg praktisch unberührt geblieben sehr schönen darlowo (rügenwalde), das bereits anfang des 13. jahrhunderts lübische stadrechte erhielt, mit dem magdeburger stadrecht eines der bedeutendsten deutschlands. außerdem ist darlowo herkunftsort der berühmten rügenwalder teewurst, die seit 1945 unter gleicher marke im westen gefertigt wird. ansonsten setzt sich die reihe der typischen polnischen badeorte fort, auffalllend allerdings die mehr und mehr neu angelegten und großzügig gestalteten siedlungen und luxuriösen ferienhäuser, von denen vor zwei jahren fast noch nichts zu sehen war.

die letzten 17 km des tages quäle ich mich über schlammige, sandige und von der forstwirtschaft zerwühlte waldwege, so dass ich nach dem abendessen mit der nötigen bettschwere versehen in einen tiefen schlaf versinke.

19. tag – mo, 08. juni 2009 – rowy-łeba – 104 km / 323 hm 01-leichter-regen.jpg

ein verirrter sonnenstrahl kluki - das slawinzische dorf die riesendüne bei łeba

am morgen lasse ich mich bei der einfahrt in den slowinzischen nationalpark, dessen durchquerung mit seiner mitunter bizarren baumwelt, den blitzenden wasserflächen und imposanten dünen ein besonderes naturerlebnis darstellt, durch ein offizielles hinweisschild ‚łeba 37,5 km‘ zur abweichung von der empfohlenen route verleiten, was einen umweg von > 20 km zur folgen haben soll. positiv der umstand allerdings, dass ich so den einst slawinzischen ort kluki (klucken) mit seinem freilichtmuseum erreiche und etwas über dieses heute als ausgestorben geltende nordslawische volk erfahre.

unterwegs begegne ich einer ebenfalls einzeln radelnden hamburgerin, die leider die falsche richtung fährt – oder ich?

trotz der mehrfachen verzögerungen erreiche ich łeba noch rechtzeitig für einen besuch der berühmten und wirklich beeindruckenden riesendünen, die den ort im lauf der jahrhunderte bereits um mehrere kilometer nach osten verdrängt haben. mit hundert kilometern in den beinen, aber nur rund 60 km strecke begebe ich mich auf meinen schlafplatz.

19. tag – die, 09. juni 2009 – łeba-hel – 107 km / 255 hm meist sonnig01-leichter-regen.jpg

am sobarska see schloss krokowa das polnische dreierpack - piotr, agata, waldemar

ein weiteres mal verzögert sich meine abfahrt, da ich nach taufrischer nacht erst warten muss, bis sich die sonne durch den hochnebel kämpft, um meine wäsche zu trocknen.

einmalig dann das erlebnis der durchfahrung des slowinzischen nationalparks nördlich des sobarska-sees, über einen zwar mit wurzeln durchsetzten, teilweise tief-sandigen und holprigen, aber dennoch wunderbaren weg durch kiefernwald, zwischen gewaltigen dünen und dem seeufer.

schön auch das wiedersehen mit einem hamburger ehepaar, auf gleicher route unterwegs, sowie mit piotr, agata und waldemar, dem polnischen dreierpack, dem ich noch mehrmals begegnen sollte.

neben dem kurzen besuch des herrlichen schlosses krokowa beeindrucken mich die immer wieder anzutreffenden zeugnisse der bewegten historie dieser region, mit der das heutige polen gelassener und selbstverständlicher umzugehen scheint, als die offizielle politik vermuten lässt.

auf meiner fahrt auf die halbinsel – eigentlich auch eine nehrung – hel passiere ich jurata, den besonders bei der polnischen prominenz beliebten badeort, der durch seine mondänen hotels und ferienhäuser auffällt. der legende nach hat sich hier jurata, kaschubische göttin der meere, gegen den willen ihres vater in einen armen fischer verliebt. zur strafe zerstört der erboste gottvater daraufhin juratas bernsteinpalast, dessen splitter man nun an den ostseestränden findet.

in hel angekommen setzt der tägliche regen ein, und ich finde mangels eines zeltplatzes quartier in einem einfachen privatzimmer.

21. tag – mi, 10. juni 2009 – fährfahrt hel-gdansk – 29 km / 37 hm meist sonnig06-bewolkt-schauer-gewitter.jpg

joanna - eine interesante, charmante gesprächspartnerin das westerplatten-monument der leuchtturm von sopot (zopot) abendstimmung in danzigs altstadt

leider verpasse ich im hafen von hel die fähre nach sopot (zopot). und so lege ich nach einer herrlich sonnigen überfahrt, verkürzt durch die anregende unterhaltung mit der jungen polin joanna, das westerplatten-monument und den leuchtturm von sopot passierend direkt in der – mich bereits beim besuch vor zwei jahren mit ihrer schönheit begeisternden – altstadt von gdansk (danzig) an, wo mich auf dem postamt ein schock ereilt: das poste restante paket aus der heimat mit dem kartenmaterial und der lektüre für die vor mir liegende strecke der nächsten vier wochen ist nicht angekommen. daran ändert leider auch die bereitwillige und freundliche hilfe einer charmanten jungen, fließend englisch sprechenden polin nichts. so heißt es, auf die schnelle ersatz zu beschaffen, was mir in ansätzen in einer der nun auch in polen sich wie eine epidemie ausbreitenden, weit außerhalb des zentrums liegenden shopping malls gelingt. verzögert wird auch dieses unterfangen einmal mehr durch ein heftiges gewitterintermezzo, das zuerst zum abwarten, dann zum anlegen der regenkleidung zwingt.

am ende des tages habe ich fast alles erledigen können, was ich mir für den tag in der großstadt vorgenommen hatte – so auch den kauf eines kompatiblen kartenlesers; es gibt also bald wieder fotos. so einigermaßen zufriedengestellt beziehe ich wie vor zwei jahren günstig quartier im ‚dom muzical‘, der musikhochschule von gdansk, wo man sich beim service fast überschlägt und mir sogar einen fön für meine haarpracht aufs zimmer bringt.

22. tag – do, 11. juni 2009 – gdansk-braniewo – 113 km / 342 hm meist sonnig01-leichter-regen.jpg

scheinbar noch unberuehrt: die landschaft noerdlich von elblag (ebling) auf der faehre von marzecino fronleichnamsprozession im danziger hinterland

blick uebers frische haff pferdezucht-gehoeft in kadyny (kadinen) in frombork (frauenburg)

auf zunächst vertrauten wegen verlasse ich das am morgen sonnige gdansk in richtung osten durch die ebene nördlich von elblag (elbling). doch wie sehr hat sich die landschaft in zwei jahren verändert: nicht die tatsache der plötzlich gut asphaltierten straßen, der neuen, jetzt gut lesbaren wegweiser und ortsschilder irritiert. vielmehr sind es die entwässerungskanäle und großflächigen raps- und getreidefelder, welche die vormals weiten ödflächen und moore, tümpel und sümpfe, verdrängt haben – ohne zweifel ein massiver ökologischer eingriff. wo ist die vogelvielfalt, wo die weltgrößte schwanenpopulation, die mich bei der durchfahrt 2007 noch so beeindruckt haben?

aber die altertümliche treidelfähre bei marzęcino tut noch immer ihren dienst. und durch die kleinen orte dieser gegend folgen die menschen in festtagskleidung singend den fronleichnamsprozessionen über mit blütenblättern bestreute und bunten fähnchen und prachtvollen altaren geschmückte wege.

die fahrt entlang des südufers des frischen haffs, wo mich ein älterer radfahrer mit mir unverständlichen worten in dennoch unmissverständlicher weise vor einem unnötigen anstieg bewahrt, bietet immer wieder herrliche ausblicke über das wasser auf die frische nehrung und führt mich durch so herrliche orte wie kadyny (kadinen) mit einem riesigen und – wie ich erfahre – einst sehr berühmten pferdezucht-gehöft oder das von beeindruckenden prachtbauten überragte frombork (frauenburg), der heimat und letzten ruhestätte des astronomen des 15./16. jahrhunderts, nikolaus kopernikus.

kurz hinter braniewo (braunsberg) lädt mich eine offensichtlich gut betuchte, überaus freundliche polnische familie nicht nur ein, auf ihrem grund zu zelten, sondern nach einer tasse tee auch zum abendessen (dankend abgelehnt) und zur dusche (dankend angenommen). ihr kleiner hund hält trotz dauerregens die ganze nacht wache vor meinem zelt.

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