deutschland 21.05.-02.06.09

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1. tag – do, 21. mai 2009 – köln-lünen – 116 km / 1.016 hm meist sonnig

fertig zur abreise

von sohn simon mit einem abschiedsessen am vorabend, von bruder und schwägerin jojo und ulla mit guten wünschen am morgen sowie von georg und joachim mit windschatten 35 km aus der stadt gut auf den weg gebracht breche ich bei schönem wetter zu meiner dritten großen trekking tour auf – noch ohne camping-ausrüstung, die mit ihren weiteren 13 kg in hamburg auf mich wartet. einmal mehr verlangt mir das bergische land mit seinen auf und abs gleich am ersten tag einiges ab, so dass ich schon früh am abend in der jugendherberge cappenberger see, lünen, in einen tiefen schlaf falle.

2. tag, frei, 22. mai 2009 – lünen-porta westfalica – 133 km / 830 hm meist sonnig06-bewolkt-schauer-gewitter.jpg

schon früh starte ich in einen herrlichen frischen morgen, doch bald schon kündigen erste heftige schauer das vorhergesagte gewitter an, das mich im gegensatz zum vortag nicht verschont. die neue regenkleidung besteht ebenso ihren test wie die von idworx testweise montierten felgen mit spezieller ultraschall-beschichtung der felgenflanken: erstklassiges bremsverhalten auch bei stärkstem regen! die anfängliche flachetappe endet im bergigen profil des teutoburger walds und einem brutalen schlussanstieg zur vorbildlichen jugendherberge in porta westfalica.

3. tag – sa, 23. mai 2009 – porta westfalica-rotenburg – 115 km / 85 hm meist sonnig

„hallo, herr born, hier ist die polizei von porta westfalica. vermissen sie nichts?“, so der anruf, der mich 10 km nach meiner abfahrt erreicht und mich über den fund meiner geldbörse mit allen ausweisen, kreditkarten, visa etc. informiert. die polizei, dein freund und helfer – den beweis erbringt die streife, die mir nachfährt, um mir meine geldbörse wiederzubringen. herzlichen dank!

bald schon erreiche ich das bürgerliche nienburg mit seinen sauberen fachwerkhäusern und den typischen weserrenaissance-bauten, stark belebt durch den allwöchentlichen markt und dem besonderen ereignis eines platzkonzerts – man promeniert und grüßt sich.

schließlich lande ich in der jugendherberge von rotenburg an der wümme, die überwiegend von besuchern des kirchentages in bremen belegt ist.

4. tag – so, 24. mai 2009 – rotenburg-hamburg – 86 km / 200 hm meist sonnig

die heutige kurzetappe führt mich über herrlich ausgebaute radwege überwiegend durch schattige eichenwälder und schließlich durch die harburger berge und den hamburger freihafen direkt nach st. pauli und auf die gräßlich touristische reeperbahn. nach einer mußestunde auf dem jungfernstieg treffe ich mich mit cousine katja, die mich nach einem sonnigen nachmittag mit kaffee und kuchen am abend mit einem köstlichen spargelmenü und erlesenem weißwein verwöhnt. schließlich klingt der tag lange nach mitternacht aus bei gerti und achim in dassendorf.

5. tag – mo, 25. mai 2009 – dassendorf-priwall – 78 km / 266 hm meist sonnig

frühling in schleswig-holstein der satan und der teufelskerl die ‘passat`- abendstimmung auf dem priwall

nach einem launigen frühstück mit gerti und achim mache ich mich auf in einen frischen frühlingsmorgen durch eine leicht hügelige, satt-grüne landschaft mit zwischen eichenwäldern und von hecken umrandeten feldern gelegenen kleinen, sauberen orten und erreiche gegen mittag die hansestadt lübeck, der ich einen angemessenen aufenthalt widme, bevor ich weiter nach travemünde radele.

mein zelt schlage ich auf dem priwall, der hübschen und ruhigen halbsinel in der travemündung im schatten des ehemaligen segelschulschiffs „passat“ auf.

6. tag – di, 26. mai 2009 – priwall-timmendorf – 77 km / 372 hm – meist sonnig 06-bewolkt-schauer-gewitter.jpg

auf dem ostsee-fernradwanderweg wasserkunst am marktplatz in wismar abends am timmendorf strand

am morgen baue ich schnell mein zelt vor dem drohenden gewitter ab, das aber nur seine muskeln spielen lässt und nach ein paar tropfen der sonne weicht. entlang der steilküste, die mir mit ihrem ständigen auf und ab nicht nur immer wieder schöne ausblicke liefert, sondern auch radlerisch mehr abverlangt als erwartet, führt mich der weg in die bereits sehr schöne, aber immer noch im wiederaufbau befindliche hansestadt wismar, von wo aus ich mich nach einer touristischen pause auf mache nach timmendorf strand auf der insel poel – nicht zu verwechseln mit timmendorfer strand!

beim zeltaufbau hinter den dünen werde ich von einem heftigen gewitterguss überrascht, der so schnell endet wie er begonnen hat, so dass ich noch in ruhe vor dem zelt mein abendessen zubereiten und genießen kann.

7. tag – mi, 27. mai 2009 – timmendorf-markgrafenheide – 80 km / 263 hm 07-untersch-bewolkt-einz-schauer.jpg

stürmische ostsee nienhagener holz seepromenade warenmünde

der heutige tag, eigentlich als ruhetag geplant, führt mich wegen des sich verschlechternden wetters wieder aufs rad und entlang der herrlichen steilküste mit ihren zum teil in altem glanz wiedererstandenen seebädern weiter richtung osten. rerik, kühlingsborn und schließlich warenmünde rechtfertigen immer wieder einen kurzen aufenthalt.

gleichermaßen schön aber auch die abschnitte abseits der küste vorbei an alten windmühlen, großstein-gräbern (bei mechelsdorf) oder durch das naturschutzgebiet nienhagener holz. umso enttäuschender dann der teure, aber schlecht organisierte campingplatz „baltic freizeit“ in markgrafenheide.

8. tag – do, 28. mai 2009 – rostock-prerow – 100 km / 271 hm 01-leichter-regen.jpg meist sonnig

rostocker universität am neuen markt in rostock reetdach-haus in born

der qualität des zeltplatzes entspricht heute auch das wetter: strömender regen bei anhalten des seit tagen schon kräftigen, fast stürmischen westwindes. so entscheide ich mich für eine kurzetappe, dem ich einen besuch der hansestadt rostock voranstelle, aus der dann aufgrund der an- und rückfahrt rostock doch noch eine 100 km-strecke wird.

von rostock, neben schwerin und lübeck eine der drei städte, die durch einen interessenverbund den grundstock zur zwischen dem 12. und 16. jahrhundert so mächtigen hanse bildeten, war ich ein wenig enttäuscht. der wiederaufbau der einst so prächtigen hafenstadt ist nur in einigen bereichen erfolgreich verlaufen, so um den neuen martk, aber ansonsten wird das stadtbild doch sehr von hässlichen industriegebieten und noch an ddr-zeiten erinnernde vorortbezirke bestimmt.

erfreulich allerdings die bald einsetzende wetterbesserung, wenn auch mit einem kalten nordwest-wind einhergehend, der mich jedoch recht flott durch eine herrliche bodden-landschaft bis nach prerow schiebt, wo ich ein wunderbares dünenplätzchen im camp ‚regenbogen‘ finde.

9. tag – frei, 29. mai 2009 – prerow-hiddensee – 62 km / 124 hm – 02-unterschiedl-bewolktetw-regen.jpg

die ‘gorch fock I’ in stralsund das oceaneum in stralsund mein wilder zeltplatz in den dünen von hiddensee

der gestern noch kräftige w-wind frischt in der nacht zu einem solch heftigen nordwind stärke 6 auf, dass ich bereits um 03:45 uhr, nicht gerade panisch, aber in aller hast, meine siebensachen packe und das vom sturm gefährlich gebeutelte zelt abbaue. den rest der nacht verbinge ich nach bewundern des sonnenaufgangs um 04:44 uhr in einem windgeschützen fleckchen auf meiner isomatte.

da der wind, oder besser sturm, weiter nach ost dreht, gestaltet sich die tagesetappe sehr mühsam und – trotz frühen starts – recht spärlich. das gibt mir genug zeit zu einem ausgiebigen besuch der schönsten der bisher besuchten hansestädte: stralsund, das aufgrund seiner fast kompletten historischen straßenzüge mit den prächtigen bürgerhäusern und der mächtigen marienkirche ein wenig an riga erinnert. hier entschließe ich mich aufgrund des ratschlags des fährkapitäns auch zu einer exkursion nach hiddensee – eine gute entscheidung, wie sich noch herausstellt. dort finde ich nach 1,5-stündiger überfahrt einen herrlichen wilden zeltplatz in den dünen, in unmittelbarer nähe des südlichen leuchtturms.

10. tag – sa, 30. mai 2009 – hiddensee (ruhetag) meist sonnig

ostseestrand auf hiddensee boddenandschaft auf hiddensee der leuchtturm dornbusch

da “dornbusch” leuchtfeuer steilküste im norden hiddensees blick über hiddensee nach süden

nach einem langen, erholsamen und nur vom gebrüll eines hirschen unterbrochenen schlaf mache ich mich zu einer inselrundfahrt auf – von wegen ruhetag!

„wiese und meer! meer und wiese und wind! wind, sturm und ewig brandende, donnernde flut!“ – so gerhart hauptmann 1896, der hier auf hiddensee lebte und dessen haus man in kloster im norden der insel besuchen kann. ich weiß keine bessere beschreibung dieses herrlichen nur 18,6 km langen eilands mit seiner reizvollen mischung von boddenlandschaft, endlos langen von kiefern gesäumten stränden und eichenwäldern und imposanter steilküste im norden. besonders hübsch der leuchtturm dornbusch, von dessen plattform ich den großartigen rundblick nach stralsund, wiek auf rügen, den barther kirchturm und die dänische insel møn genieße.

11. tag – so, 31. mai 2009 – hiddensee-nipmerow – 51 km / 218 hm meist sonnig

im hafen von vitte/hiddensee wiese auf rügen blühender baum auf rügen

nach einem erfrischenden morgenbad in der noch sehr kühlen ostsee breche ich mein zelt ab und mach mich auf zum fähranleger in vitte, dem hauptort der insel hiddensee. nach einer recht stürmischen überfahrt nach wieck auf rügen bin ich relativ schnell am kap arkona, dem nördlichsten punkt dieser ebenfalls herrlichen insel. als markant ist der geografisch exponierte punkt schon von weitem aufgrund seiner zwei leucht- und eines, rein militärischen zwecken dienenden, peilturms auszumachen. den besuch der umfangreichen bunkeranlagen der einstigen volksarmee erspare ich mir und besichtige dafür lieber die reste der jahrhundertealten slawischen burganlage, die zunehmend ins meer absinkt.

anschließend mache ich mich auf nach süden, wo ich in der nähe des nationalparks rügen bei nipmerow einen schön im wald gelegenen zeltplatz finde.

12. tag – mo, 01. juni 2009 – nipmerow-loissin – 102 km / 353 hm meist sonnig

im fischerdorf vitt/rügen ‘der’ kreidefelsen in greifswald allee in mecklenburg-vorpommern

der morgen beginnt mit dem super-gau: der schlüssel meines ultradiebstahlsicheren abus-bügelschlosses ist trotz mehrstündiger suche, zum teil mit unterstützung zweier netter allgäuer mädels, nicht mehr auzufinden. glück im unglück: der zeltplatz-hausmeister weiß mit einer flex umzugehen und schneidet mir das schloss fachkundig auf, dennoch leider nicht ganz ohne macken an der sattelstrebe. zu guter letzt schenken mir die allgäuer mädels noch ein ersatzschloss, so dass ich mit einiger verspätung meine fahrt aufnehmen kann.

beim besuch des berühmten kreidefelsens, dem königsstuhl, kann ich zufällig an einer führung teilnehmen und erfahre so aufschlussreiches über das kreidemeer, das vor vielen millionen jahren in der kreidezeit für die entstehung von rügen’s hauptsehenswürdigkeit, 14 km kreideküste, wie auch der ‚white cliffs of dover‘ gesorgt hat.

die weiterfahrt zur glewitzer fähre, die mich zurück auf’s festland bringt, führt durch ausgedehnte buchenwälder, die mir willkommenen schatten bieten. daran schließt sich ein extremer härtetest für rad und hinterteil an: ein 6 km langes wegstück über den berühmt-berüchtigten ex-ddr lochplattenweg.

schließlich erreiche ich die hansestadt greifswald mit ihrer wunderbar und nahezu komplett restaurierten, herrlichen altstadt. da ich dort keine bleibe finde, mache ich mich auf zum gepflegten campingplatz in loissin.

13. tag – die, 02. juni 2009 – loissin-bellin – 80 km / 89 hm meist sonnig01-leichter-regen.jpg

am wegesrand in ueckermünde wetterwechsel in loissin

auf meinem weg nach bellin mache ich halt in ueckermünde, nicht nur, um diese hübsche kleine hafenstaft einmal mehr zu besuchen, sondern auch, um mein paket von der heimat mit kartografischem und literarischen nachschub aufzunehmen. dabei entlaste ich mich gleichzeitig von einigem überflüssigen gepäck, das ich trotz nun nicht unerheblicher trekking-erfahrung mitgeführt hatte.

nach umfangreichem einkauf und ausgiebigem abendessen hinter dem mich vor dem auffrischenden nordwind schützenden schilf auf dem herrlich am stettiner haff gelegenen zeltplatz von bellin genieße ich noch ein abendliches bier sowie den herrlichen ausblick übers haff von der terrasse eine noblen hotels gleich in der nachbarschaft.

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