schweden

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so, 16.05. – holte/dk-klippan/s – 80 km / 219 hm – 08 leichter regen

strandvej kopenhagen-helsingør  mittagspause  schloss kroneberg helsingør

das einzig, aber auch wirklich erfreuliche heute ist der saunabesuch am abend eines grauen tages der von kälte, nässe, nieselregen sowie heftigem gegenwind gekennzeichnet war. einziges sonstiges highlight nach dem schweren, aber sehr freundlichen abschied von helle + finn und der mitunter schönen fahrt nach helsingør entlang des strandvej mit seinen vielen prachtbauten ist der besuch des imposanten schlosses kronenberg an der nordostspitze sjællands. auf der fähre nach helsingborg/s noch schnell die letzten dänischen kronen verprasst und dann durch eine zunächst relativ flache, wenig abwechslungsreiche, später etwas hügelige landschaft dem wegen der widrigen wetterbedingungen frühzeitig gewähltem tagesziel entgegen. ende siehe oben!

mo, 17.05. – klippan-sölvesborg – 120 km / 415 hm – 08 leichter regen

kristiansand 1  kristiansand 2  ein aufmerskamer beobachter

auch der heutige tag bringt keine wesentliche besserung. die wenigen landschaftlichen reize versinken im regen-nassen grau der tiefen wolkendecke, aus der es bis in den nachmittag hinein kalt nieselt. bei sonnenwetter dürfte die von findlingsmauern durchzogenen wiesen und die überweigend der pferdezucht gewidmeten gehöfte sowie auch die kurz besuchte innenstadt von kristiansand sicherlich recht freundlich und anmutend erscheinen. zumindest erfreut mich am ende des tages ein hübscher zeltplatz unter buchen direkt am allerdings sehr windig-kalten strand von norje bei sölvesborg.

die, 18.05. – sölvesborg-karlskrona – 82 km / 542 hm – 02 meist sonnig

fertig zum aufbruch  mörrumsån lachsfischerei-paradies  mörrumsån skulptur  abendstimmung auf meinem zeltplatz bei karlskrona

recht früh weckt mich die ungewohnte sonne, aber der kalte wind lässt mich nochmal in den schlafsack kriechen, und so schlafe ich noch ein wenig, bis die wärme mich aus dem zelt treibt. während des frühstücks genieße ich die aussicht über die vom kräftigen nordwind zerzauste schärenküste, bevor ich aufbreche zur überwiegend über stille nebenstraßen verlaufenden fahrt, die mich bei zunehmend sommerlichen temperaturen durch eine gefällige landschaft mit gemütlichen kleinen orten führt. besondere aufmerksamkeit schenke ich dem wegen seiner lachsfischerei bekannten mörrumsån, dessen imposante stromschnellen jedes jahr sportangler aus aller welt anlocken.
schließlich erreiche ich meine tagesetappe karlskrona, an dessen stadtrand ich auf einem romantischen zeltplatz den tag mit einem abendessen mit blick auf den sonnenuntergang ausklingen lasse.

mi, 19.05. – karlskrona-färjestaden/öland – 104 km / 338 hm – 03 unterschiedl bewölkt

endlich auf ruhiger nebenstrecke  sehenswertes auf der nebenstrecke  schwedenhäuser

ein tag, an dem fast alles schief läuft: zunächst folge ich der route meines gps‘ nicht, sondern folge der vermeintllich kürzeren, aber stark befahrenen hauptstraße, wo ich dem verkehr und dem in der breiten schneise der fahrbahn ungehinderten nordwind voll ausgesetzt bin. einen umweg von fast 20 km zu spät entscheide ich mich dann doch für den ’navi-weg‘, der mich über eine fast windstille, völlig einsame, streckenweise idyllische waldstrecke führt – wesentlich entspannter zu fahren.

nach kalmar, dem ausgangspunkt für den transfer nach öland, führt ein zwar schön angelegter, schließlich aber durch ein schmutziges industriegebiet verlaufender radweg weg von der hauptstraße, aber auch abseits der wirklich sehenswerten attraktion kalmars, dem mächtigen schloss, in dem 1397 die kalmarer union zum zusammenschluss der königreiche von norwegen, schweden und dänemark führte – leider verpasst.

an der öland-brücke angekommen, muss ich dazu erfahren, dass weder der ‚cykel-buss‘, der radfahrer über die für fahrräder gesperrte brücke bringen soll, noch das offizielle ‚cykel-taxi‘ verkehrt. so folge ich – etwas leichtsinnig – dem rat eines dennoch wohlgesonnenen schweden und mache mich trotz verbots mit dem rad auf die überfahrt, da allerdings noch nicht wissend, dass die brücke vier spuren, ohne mittel- und seitenstreifen!, enthält, 8 km lang und in der mitte von dichtem nebel bedeckt ist. dank der defensiven fahrweise und sprichwörtlichen rücksichtnahme der schwedischen autofahrer sowie eines kräftigen adrenalin-schubs schaffe ich die distanz in rekordgeschwindgkeit, atme aber erleichtert auf, als ich wohlbehalten auf öland und möllstorps camping dort ankomme.

do, 20.05. – färjestaden/öland-mönsterås- 64 km / 256 hm – 02 meist sonnig

die öland-brücke am nächsten morgen  graugänse an der schärenküste  typische wegstrecke: mächtige alleebäume und steinmauern

nach einer feuchten nebelnacht kämpft sich die sonne zu einem sonnigen morgen durch, der allerdings mit der nächsten enttäuschung für mich aufwartet: die laut internet-information bereits tätige fähre von grankullavik an der nordspitze ölands nach visby/gotland nimmt ihren dienst erst im juli auf. so muss ich leider von dem besuch ölands abstand nehmen und die fähre nach gotland ab oskarshamn, nördlich von kalmar vorsehen. freundlicherweise fährt mich der manager von möllstorps camping mit seinem suv zurück über die brücke, so dass ich mir eine abermalige stresstour ersparen kann.

in strahlendem frühjahrswetter fahre ich nun durch schönes feld- und waldgebiet, vorbei an mit mächtigen steinmauern eingefassten wiesen, über alleen mit uralten, mächtigen eichen sowie entlang der malerischen schärenküste auf dem mönsterås-kustvägen. immer wieder bieten schöne fotomotive grund anzuhalten, wovon ich bei der kurzen tagesetappe intensiv gebrauch mache.

überraschend finde ich im zielort oknö bei mönsterås eine dependance des im vergangenen jahr bei prerow besuchten regenbogen campings, vergleichbar schön gelegen und gut geführt, mit einem malerischen plätzchen für mich unter kiefern und birken unmittelbar über dem von wildvögeln bevölkerten strand.

frei, 21.05. – mönsterås-oskarshamn – 45 km / 726 hm – 02 meist sonnig

frischer morgen an der schärenküste  kunst am wegesrand  abendfähre nach visby/gotland

nach einem heftigen gewitter am frühen morgen hole ich angesichts der kurzen strecke nach oskarshamn den verlorenen schlaf ausgiebig nach und mache mich erst gegen mittag auf, dabei die wärme der mittlerweile wieder scheinenenden sonne sowie den komfort eines südost-windes genießend. der streckenverlauf mit passagen durch dichten tannenwald sowie entlang der küste ähnelt dem gestrigen in erfreulicher weise und macht das radeln zum absoluten vergnügen, denn: endlich habe ich auch mal ‚gute beine‘!

in oskarshamn angekommen kaufe ich mein ticket für die gotland-fähre, up-date mein internet-tagebuch und wasche meine wäsche, letzteres freundlicherweise beides auf dem campingplatz gunnar semesterby, nicht zuletzt auch, um die zeit bis zur späten fährpassage auf das wegen seiner vielen schafe auch ’schafsinsel‘ genannte gotland zu nutzen: abfahrt 21:10 uhr, ankunft 0:05 uhr! um ca. 02:00 uhr krieche ich dann endlich auf dem feudalen luxus-campingplatz kneippbyn, auf dem sich auch am nächsten morgen niemand für mich interessiert, in meinen schlafsack.

sa,  22.05. – visby-tofta – 38 km / 134hm – 02 meist sonnig

das weichbild von visby  auf erkundigung in visby  mein dünenplatz bei tofta/gotland

das vor der touristeninformation spontan entstehende gespräch mit ruth und jojo, zwei straßenmusikanten aus göttingen im – durch die finanzkrise unfreiwillig herbeigeführten – ruhestand, den sie nach vielen jahrzehnten des umherziehens durch ganz europa (stets wild gezeltet!) nun beschließen, dauerhaft in schweden zu verbringen, ist eine der hauptattraktionen meines besuchs von gotlands metropole visby. besonders interessant, aber nicht weiter verwunderlich die tatsache, dass die zwei klaus, den geiger, den offensichtlich nicht nur stadtbekannten, provokanten straßenmusiker aus köln gut kennen.

aber die ehemalige, bis zur plünderung durch den dänenkönig valdemar atterdag im jahr 1361 blühende hansestadt visby, erst seit 1672 wieder schwedisch, hat natürlich mehr zu bieten und steht nicht nur wegen ihrer 3,5 km langen und 11 m hohen, die altstadt noch komplett umfassenden stadtmauer auf der liste der unesco weltkulturerbe sowie auf der route jedes ostsee-kreuzfahrtschiffes.

reizend die verwinkelten gässchen mit ihren dichtgedrängten fassaden neben stattlichen handelshäusern mit ihren typischen treppengiebeln; imposant die silhouette der das weichbild der stadt dominierenden mächtigen domkirche sta. maria kyrka.

nach dieser stadtbesichtigung ist es nur eine kurze fahrt bis zum jetzt menschenleeren, im sommer wohl dichtbelegten, herrlichen strand bei tofta und meinem exklusiven plätzchen auf der düne, von wo aus ich den bilderbuch-sonnenuntergang genieße.

so, 23.05.- tofta-fidenäs – 63 km / 52 hm –  08 leichter regen

steilküste bei sandhamn  für gotland typische zaunkonstruktion  steinsetzung in bootsform

regen am frühen morgen lässt mich zunächst unschlüssig über den weiteren tagesablauf im zelt verharren. doch dann mache ich mich auf zur südspitze gotlands vorbei an der steilküste bei sandhamn und der besonderheit des kontrasts einer frühzeitlichen steinsetzung in form eines bootes vor der kulisse eines windkraft-parks mit seinen riesigen sich heftig im südwestwind drehenden rotoren. es ist auch der hier im süden besonders kräftige wind, verbunden mit regen und kälte, der mich hindert, weiter als bis fidenäs zu fahren, wo mich auf dem campingplatz, den ich völlig für mich alleine habe, ein einheimischer landwirt darüber aufklärt, dass dieses frühjahr nach dem langen, harten winter ungewöhnlich nass und kalt ausfällt – wie tröstlich für mich! so habe man normalerweise die letzte saat bereits ende april abgeschlossen, nun aber erst am 22.05. ausbringen können.

mo, 24.05. – fidenäs-ljugarn – 51 km / 38 hm –  05 unterschiedl bewölkt,etw regen

einer der unzähligen meilensteine auf gotland  frühling auf gotland  mit tescha aus kopenhagen am strand von ljugarn

vor der von westen aufziehenden schlechtwetterfront mache ich mich früh auf richtung nordosten, der sonne entgegen, und entschließe, meinen aufenthalt über die geplante knappe woche hinaus zu verlängern, um die offensichtlichen schönheiten gotlands voll zu erkunden. statt zurück nach oskarshamn wird mich alternativ die fähre nach nynäshamn südlich von stockholm nun zurück auf’s festland bringen, was mir fünf zusätzliche tage auf gotland beschert – zu lasten wohl einer nicht uninteressanten fahrt entlang der schärenreichen südost-küste schwedens.

an der ostküste gotlands stößt in ljugarn mit seinem riesigen strand, der sich direkt an einen kiefernwald anschließt, tescha, alleinradlerin aus kopenhagen, zu mir, und wir beschließen nach kurzem beschnuppern, zunächst einmal weiter zusammen zu radeln. schnell finden wir einen schönen platz direkt am strand, wo wir unsere zelte aufbauen und reiseerlebnisse austauschen. dabei stellt sich heraus, dass tescha schon seit 2005 radreisen alleine unternimmt, u.a. nach indien, pakistan, iran, und china – eine hochinteressante informationsquelle für mich für eventuelle weitere radabenteuer…

die, 25.05. – ljugarn-lickershamn 79 km / 616 hm 02 meist sonnig

‘raukar’ bei lickershamn  kieselstrand von lickershamn  am lagerfeuer

nach regenreicher nacht gibt am morgen tescha’s benzinkocher seinen geist auf, und mein gasvorrat geht überraschend früh zur neige, so dass wir uns kurzerhand entscheiden, nach visby zurückzufahren, um ersatz zu beschaffen, was uns dort nach längerer suche auch gelingt.

weiter fahren wir dann an der westküste nordwärts und finden im wegen der bizarren kalksandstein-felsformationen, ‚raukar‘ genannt, bekannten lickershamn einen geradezu idyllischen wilden zeltplatz im schatten sich unter dem westwind duckender kiefern am einsamen kieselstrand, wo wir den tag bei reiseerzählungen am lagerfeuer ausklingen lassen.

mi, 26.05. – lickershamn (ruhetag) –  02 meist sonnig

blick aus meinem zelt schwäne auf ihrem ‘abendspaziergang’ felsenküste bei lickershamn “tausend rosen gäb ich gerne gegen nordlands steine”

mein blick aus dem zelt:

schwäne ziehen in gruppen zu viert oder fünft würdevoll dicht am strand vorbei oder jagen unter lautem flügelschlagen knapp über den wellen daher, entenmütter scharen ihre zahlreichen küken um sich und seeschwalben stürzen steil ins wasser auf der jagd nach beute. im hintergrund ziehen riesige fähren und versorgungschiffe mit tief brummenden motoren zwischen insel und festland, und kleine fischerboote tuckern munter aus dem naheliegenden hafen. ein paar angler waten vorsichtig durch’s flache uferwasser, um nach geduldiger jagd, offensichtlich zwar ohne fang, aber dennoch wohl guten mutes wieder an land zu kommen.

so lässt sich muße genießen…

do, 27.05. – lickershamn (ruhetag) 05 unterschiedl bewölkt,etw regen

der hafen von lickershamn  typisch bunte briefkästen in lickershamn  hafenidylle lickershamn

als ich aufstehe, hat tescha ihr rad schon beinah fertig gepackt. die unruhe und der drang weiterzuradeln haben sie früh aus ihrem zelt getrieben. kurz ist der abschied mit besten wünschen für die weiterreise und dem austausch unserer email-anschriften.

ich aber kann mich noch nicht von dem einzigartigen reiz dieses im norden und süden von steilküste eingefassten strandes trennen und gebe mich weiter der beschriebenen muße und der lektüre von harper lee’s südstaaten-klassiker ‚ wer die nachtigall stört‘ hin.

frei, 28.05. – lickershamn-lauterhorn – 66 km / 153 hm –  04 bewölkt

windmühle auf fårö  gotland-typische flora  mein zeltplatz in lauterhorn

heute bringt mich meine tour – vorbei an dem seit rund 40 jahren mangels nachfrage verwaisten hafen in kappelshamn mit einer still liegenden riesenfähre – an die nordspitze gotlands, wo ich in fårösund mit der fähre zur insel fårö übersetze, ein offensichtlich bei den schweden beliebtes sommerziel, wie die wartezeiten-hinweise vor der fähre vermuten lassen. auf meinem weg passiere ich einmal mehr einige exemplare der einst zu vielen hunderten oder tausenden auf der insel vorhandenen windmühlen und landschaften von nahezu mediterranem, mitunter steppenartigem und damit völlig unschwedischen charakter, typisch aber für gotland bzw. fårö.

am ende dieses tages helfen mir drei nette ältere deutschsprachige (!) schwedische hobbyfischer, im verlassenen fischereihafen lauter einen verborgenen brunnen zu finden, wo ich meinen trinkwasservorrat auffrischen und so nahe der mole von lauterhorn wieder einen wilden zeltplatz aufsuchen kann.

sa, 29.05. – lauterhorn-sudersand – 30 km / 47 hm – 02 meist sonnig

kiteboarder im hafen von lauterhorn auf fårö nördlich von lauterhorn, fårö/gotland
‘raukar’-küste nördlich von lauterhamn besonders schöner rauk = kalksandsteinfelsen route 66-nostalgie auf fårö/gotland?

frisch gebackene spiegeleier bruzzeln zum frühstück in meiner pfanne, zwei mit riesigen schirmen best ausgerüstete kiteboarder erwecken mit waghalsiger fahrt und spektakulären sprüngen meine aufmerskamkeit, und ein kräftiger westwind weist mir die richtung für die weiterfahrt – ein herrlicher morgen!

vorbei an den eindrucksvollsten ‚raukar‘ im naturreservat an der westküste fårös und dem idyllischen fischerörtchen helgumannen bin ich in gut zwei stunden am wohl schönsten sandstrand schwedens in sudersand. dabei stoße ich auf das pendant der vor zwei jahren bei kaimling in österreich gefundenen ‚route 66‘-tankstelle, eine, möglicherweise in anlehnung an die an den mittleren westen der usa erinnernde steppenlandschaft fårös, mit amerikanischen memorabilien hergerichteten ‚crêperie tati‘. eine ‚elvis‘-leuchtschrift und ein dupont ‚ducolux‘ emaille-schild dürfen natürlich nicht fehlen ebensowenig wie still vor sich hin rostende autowracks us-amerikanischer straßenkreuzer.

in sudersand treffe ich björn aus göteborg, der mit seinem mountain-bike und minigepäck die 350 km von der west- an die ostküste in zwölf stunden in einem durchgeradelt ist – respekt! gemeinsam finden wir einen zeltplatz in bzw. vor den dünen des jetzt erfreulicherweise einsamen strandes mit feinstem weißen sand.

so, 30.05. – sudersand (ruhetag) –  02 meist sonnig

mein strandplatz fårö fyr - der leuchtturm von fårö nordstrand von vårö 1
nordstrand von vårö 2 gestrandet badestrand im westen vårös

als ich aufwache, ist björn schon abgereist. augenscheinlich bin ich der langschläfer unter den trekking-radlern…

anders, ein pensionierter geschichts- und geographie-lehrer aus südschweden, verwickelt mich nach seinem strandspaziergang mit hund und meinem frühstück in den windgeschützten dünen in ein in fast literarischem deutsch geführtes gespräch, das mir manchen aufschluss über die schwedische historie, den aufstieg und fall der einst die gesamte ostsee beherrschenden großmacht schweden und ihren wandel zum heutigen bilderbuch-sozialstaat aufzeigt.

angesichts des sonnig-warmen wetters unternehme ich später eine rundfahrt um den nördlichen teil fårös und entdecke die schönheiten, die diese kleine insel zu einem der beliebtesten sommerfreizeit-ziele schwedens machen: die nordküste mit ihren unberührten endlosen sandstränden, das fåröfyr, den idyllisch gelegenen leuchtturm am äußersten nordost-zipfel der insel, die stillen kiefernwälder im zentrum und die malerischen badebuchten im westen. gotland-typische einzelgehöfte und weitere windmühlen sowie herden grau-schwarzer schafe vervollständigen das so reizvolle landschaftsbild.

mo, 31.05. – sudersand-visby – 108 km / 169 hm –  09 starker regen

gotlands schafe suchen schutz vor dem regen  die zementgrube von slite/gotland  meine einzelzelle im ‘visby fängelse’

dass ich am abend in einer winzigen einzelzelle des ‚visby fängelse‘, schwedens ehemals (?) strengster strafvollzugsanstalt, landen werde, ahne ich noch nicht beim betrachten eines offensichtlich allmorgendlichen rituals eines älteren paares am strand von sudersand:

sie entledigt sich blitzschnell ihrer kleidung, um kurz in die eiskalte brandung der ostsee einzutauchen und anschließend geschwind in den vom partner liebevoll bereitgehaltenen bademantel zu schlüpfen – und zurück geht’s ins haus am strand.
auch ich gönne mir allmorgendlich dieses ostseebad, allerdings leider ohne den bademantel-part, aber mit dem gleich schnellen rückzug ins haus am strand, meinem zelt. jedoch schön der reihe nach:

einen tag früher als geplant, aber durch den bereits angekündigten wetterumschwung forciert, verlassse ich, wenn auch ungern, gegen mittag sudersand richtung visby. den umweg über den bekannten badeort slite an gotlands ostküste hätte ich mir sparen können, es sei denn, die dortige, allerdings zugestandenermaßen imposante zementgrube wäre wirklich von außerordentlicher bedeutung. so jage ich vom ostwind und dauerregen getrieben auf schnellstem wege nach visby, wo ich die beiden nächsten tage verbringen werde.

weder der heftige wind, der strömende regen, noch temperaturen von nur 8°c halten eine mir dabei entgegen kommende endsiebzigerin aus oldenburg davon ab, mit ihrem hund im lenkerkörbchen und globetrotter-packtaschen am gepäckträger einen (zitat!) ‚tagesausflug‘ von visby nach slite und zurück zu machen – schlappe 70 km!
die spinnen, die radler!

ach ja, beim ‚visby-fängelse‘ handelt es sich heute übrigens um ein ‚vandrarhem‘, eine art jugendherberge, nur teurer, die noch bis vor gar nicht langer zeit tatsächlich als gefängnis gedient hat und die ich mangels einer ortsnahen zeltmöglichkeit und wegen des schlechten wetters aufsuche.

komisch: astrid fand das mit der einzelzelle irgendwie gar nicht lustig…

die, 01.06. – visby (ruhetag)  – 03 unterschiedl bewölkt

das hostel ‘visby fängelse’  imposante privat-yacht im hafen von visby

nachdem meine nassen sachen über nacht getrocknet, der feuchte sand von packtaschen und schuhen abgefallen ist, reinige ich – der geltenden hausordnung artig folgend! – erst einmal meine zelle, um mich dann in die örtliche bibliothek zu begeben, der in ermangelung von internet-cafés in schweden wohl nahezu einzigen möglichkeit, mein internet-tagebuch zu aktualisieren. freundlicherweise erhalte ich von der bibliothekarin dafür mehr zeit als die übliche maximal-dauer von 2 stunden zugestanden.

am abend bereite ich erstmals mein dinner nicht selbst auf dem campingkocher zu, sondern gönne mir den luxus eines der netten retaurants am hafen.

mi, 02.06. – visby (fährfahrt nach nynäshamn)  – 03 unterschiedl bewölkt

in der altstad von visby 1 in der altstadt von visby 2 in der altstadt von visby
visby’s domkirche sta. maria kyrka in der altstadt von visby 3 die ‘gefräßige’ fähre nach nynäshamn

auch der zweite tag in visby verläuft ähnlich. nachdem ich meine zelle geräumt, mein fahrrad von den spuren der regenfahrt befreit, die kette neu geölt und mein tagebuch mit letzten eintragungen aktualisiert habe, erledige ich noch notwendige einkäufe, um mich anschließend auf die fähre nach nynäshamn und mich dort nach gut drei stunden fahrt  unmitttelbar nach der ankunft gegen 20:00 uhr auf den lokalen campingplatz zu begeben.

do, 03.06. – nynäshamn-skärholmen 66 km / 415 hm  02 meist sonnig

auf meiner fahrt richtung stockholm  auf meiner fahrt richtung stockholm 2  auf meiner fahrt richtung stockholm 3

während des frühstücks schaue ich dem bunten treiben einer abschluss-stufe zu, die ihren vorletzten schultag mit diversen sportlichen aktivitäten am dem campingplatz vorgelagerten strand feiert – neben volleyball, vor allem das populäre spiel ‚kubben‘, bei dem zwei mannschaften aufgestellte holzklötze des gegnerischen teams versuchen umzuwerfen.

anschließend radele ich richtung stockholm, wo ich nach einer schönen, aber aufgrund des welligen profils und des heftigen windes durchaus anspruchsvollen fahrt im vorort skärholmen einen von deutschen wohnmobil-campern besetzten campingplatz finde und, um für das anstehende sightseeing-wochenende mit astrid auch stadtfein zu sein, meine komplette wäsche wasche.

frei-so, 04-06.06. – stockholm  (ruhetage) – 02 meist sonnig

ankunft in stockholm das stockholmer stadthaus im stockhomer stadthaus
das stockholmer stadthaus in stockholm 2 schulabschlussfeier auf schwedisch
in stockholm 3 gamla stan - die altstadt von stockholm 2 jazz im stampen, gamla stan

astrid trifft am feitagnachmittag ein, und wir verbingen das wochenende gemeinsam in der wohl schönsten nordischen metropole, die nicht umsonst den beinamen ‚venedig des nordens‘ trägt. die stadt, bereits ganz im zeichen des anstehenden nationalen großereignisses, der hochzeit der kronprinzessin victoria mit ihrem ex-fitnesstrainer daniel, ist voll von ac/dc-fans, die das konzert dieser rockband am samstag-abend besuchen, und den 20.000 teilnehmern des am selben tag stattfindenden ’stockholm-marathons‘.

der katarinen aufzug stockholm sergel torget am abend in stockholms ‘absolut ice bar’ 1 in stockholms ‘absolut ice bar’ 3
astrid im tunnelblick auf der terrasse des königspalasts der heckspiegel der vasa
stockholm marathon vaxholm kastell blick auf vaxholm

wir aber widmen uns dennoch weitgehend ungestört den sehenswürdigkeiten dieser stadt, darunter natürlich das königliche schloss und das stadthaus, ‚gamla stan‘, die altstadt, oder das vasa-museum, und unternehmen eine wunderschöne bootsfahrt durch die schären zum vaxholm-kastell. alles in allem eine gelungene auszeit von der radtour, nicht zuletzt durch die fast sommerlichen temperaturen und die muntere atmosphäre, die auch von den unzähligen abiturklassen geprägt wird, die auf ihren mit tranparenten und blumen geschmückten lkw zu lauter musik ‚ravend‘ durch die stadt fahren und ihren schulabschluss feiern.

mo, 07.06. – fährfahrt stockholm-mariehman/fin 03 unterschiedl bewölkt

mein rad gut gesichert auf der fähre

nachdem sich astrid wieder auf den heimflug gemacht hat, erledige ich noch einige einkäufe und begebe mich rechtzeitig in den fährhafen, wo ich mich am nachmittag bei viking line nach mariehamn, der hauptstadt der zu finnland gehörigen, mit einem autonomen status und eigener flagge versehenen, schwedischsprachigen åland-inseln, einschiffe. kurz vor mitternacht in mariehamn angekommen, finde ich schnell einen zeltplatz und den notwendigen schlaf, um am nächsten morgen frisch gestärkt die weiterreise per ‚island hopping‘ angehen zu können.

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