estland

eesti


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mo, 14.06. – helsinki/fin-tallinn/est – fährfahrt – 06 bewölkt etw regen

abschied von helsinki  willkommen in estland durch grazyna und zozislaw aus łeba/pl

nach abschließender ergänzung meines internet-tagebuchs und wäsche all meiner kleidungsstücke mache ich mich am nachmittag auf mit der 17:00 uhr-fähre nach tallinn, um meine 2-wöchige rundreise durch estland zu beginnen. die wetteraussichten sind gut, also auch meine stimmung.

in tallinn angekommen suche ich zunächst vergebens den wie üblich wenig einladenden city-campingplatz, quartiere mich dann aber in der nähe des yachthafens ein, wo mich grazyna und zozislaw aus łeba spontan zu einem umtrunk in ihren selbst ausgebauten vw-bus einladen. darüber vergesse ich dann leider den vereinbarten anruf bei aiki und ihrer familie aus tallinn, die ich letztes jahr in lettland bei der sonnenwendfeier kennengelernt hatte. aber das hole ich noch nach…

die, 15.06. – tallinn-madise – 66 km / 138 hm – 02 meist sonnig

frau in typischer estnischer tracht am straßenrand  holocaust-mahnmal bei madise  on the road  freundlich, aber unverständlich

…und vereinbare heute telefonisch mit ihr ein wiedersehen auf saaremaa, abermals zur sonnenwendfeier. mal sehen, ob’s klappt.

vorher kann ich mich wegen des ungemütlichen morgens erst spät zur abfahrt entscheiden, mache mich dann aber gegen einen frischen westwind auf in südwestliche richtung, um den strand von madise an estlands nordwest-küste anzusteuern.

tallinn habe ich, nach den zwei erst kürzlichen besuchen, nun im wahrsten sinne links liegenlassen und auf den kontakt eines bankomaten beschränkt. nicht unwesentlich beeinflusst war diese entscheidung auch von den sich in die altstadt ergießenden touristenströmen aus fünf vor tallinn liegenden kreuzfahrschiffen.

ein holocaust-mahnmal passierend, das an die ermordung von 2.000 juden am 19.09.44 erinnert, und in madise angekommen finde ich zwar den auf der karte verzeichneten angeblich vorhandenen strand nicht, dafür aber dank ‚erfolgreicher nichtverständigung‘ mit drei älteren, vom reichlichen wodka-zuspruch gezeichneten bewohnern eines bauernhofes ausreichend wasser und anschließend ein windgeschütztes plätzchen, wo ich mein zelt aufschlagen kann.

mi, 16.06. – madise-haapsalu – 76 km / 131 hm –  sonnig

eisenbahnmuseum happsalu  die tschaikowsky bank in happsalu  wachturm aus dem 15. jahrh. - schlossburg in happsalu

eine wenig abwechslungsreiche fahrt über die gut ausgebaute, aber kaum befahrene straße 17 führt mich durch ausgedehnte brachwiesen und dichte mischwälder nach haapsalu, wo ich als erstes das eisenbahnmuseum besuche, das mit einem wunderschönen, sehr gut erhaltenen bahnhofsgebäude aus dem 19. jahrhundert aufwartet, aus dem man jeden moment die bereitstehenden historischen züge abzufahren erwartet.

der anschließende besuch der erkennbar schönen strandpromenade ist ein wenig enttäuschend, da an allen stellen gebaut wird und das traditionsreiche kurhaus in planen gehüllt ist. lediglich die tschaikowsky-bank, den besuch des komponisten im sommer 1867 würdigend, kann fast ohne einschränkung begutachtet werden. um so eindrucksvoller die mächtige bischofsburg aus dem 13. jahrhundert mit domkirche im zentrum des ortes, deren saal wegen seiner guten akustik besonders geschätzt wird.

auf dem hübschen naturcampingplatz pikseke am südlichen ortsrand finde ich ein angenehmes quartier für die nacht.

do, 17.06. – haapsalu-kassari – 35 km / 33 hm – 02 meist sonnig

kirche bei suuremöisa/hiiumaa deutsche spuren hütte bei vaemla/hiiumaa wollmaschine aus polen von 1860 noch in betrieb

wollmaschine aus polen von 1860 noch in betrieb auf der halbinsel kassari, hiiumaa (k)ein ersatzfahrrad?

da die für mich stressfrei erreichbare fähre nach heltermaa auf der insel hiiumaa erst um 12:30 uhr ablegt, beginnt der tag recht gelassen, und dabei noch bei schönstem sonnenschein. der nur 10 km entfernte fährhafen rohuküla, eine einzige baustelle, scheint große zeiten vor sich zu haben, wie die dimensionen des ausbaus vermuten lassen.

auf hiiumaa ist es dann nur noch eine kurze fahrt zur wunderschönen halbinsel kassari, auf der ich bei suuremöisa das älteste gebäude der insel, die st. laurentius gewidmete pühalepa-kirche aus 1259 mit altem kirchhof, passiere sowie mit einer historischen, heute noch mit maschinen aus dem ende des 19. jahrhunderts professionell betriebenen wollfabrik bei vaelma ein außergewöhnliches industriemuseum.

angesichts der überschaubaren dimensionen und offensichtlichen schönheit von hiiumaa entschließe ich, meinen aufenthalt etwas auszudehnen und die nächsten zwei tage auch hier zu verbringen, um die gesamte insel zu erkunden.

am späten nachmittag dann besonders nett der empfang und die logistische betreuung (einkauf im nächsten, 30 km entfernten!, supermarkt) durch die eignerin eines schön gepflegten privaten naturcampingplatzes am ortsausgang.

frei, 18.06. – kassari-mangu – 53 km / 69 hm – 03 unterschiedl bewölkt

markt in käina, hiiumaa  rudolf tobias museum in käina, hiiumaa  windmühle von innen  heimelige hütte im wiesengrund

nach kurzem besuch von käina, geburtsort des estischen, einst in berlin lehrenden und dort auch verstorbenen komponisten rudolf tobias (1873-1918), dem in seinem geburtshaus ein hübsches museum gewidmet ist, bewältige ich die 20 km durch das waldreiche zentrum der insel nach der im norden gelegenen größten stadt hiiumaas kärdla buchstäblich in windeseile, gesponsort vom warmen, regenschwangere wolken vor sich hertreibenden südwind.

dort finde ich glücklicherweise eine bar, in der ich mir das leider traurig ausgehende spiel der deutschen nationalmannschaft gegen serbien anschauen und den unglücklichen lukas podolski bedauern kann. danach mache ich mich weiter auf zur nordspitze der insel, wo ich in mangu bei tahkuma einen ganz außergewöhnlichen campingplatz finde, der nicht nur wegen der dort fast zum inventar gehörenden einzigen gäste und dauercamper, einer oberbayerischen familie aus eichstätt, besonders urig ist. ein gemeinsamer saunabesuch mit dem urbayer wird zum besonderen erlebnis.

sa, 19.06. – mangu-söru/leisi – 83 km / 89 hm – 09 starker regen

auf der schotterpiste  alleinradler siegbert bartsch aus zerbst  leuchtturm von köpu, hiiumaa  jazz-festival in söru, hiiumaa

ein aufgrund des heftigen regens und der eintönigen waldstrecke gräßlicher tag bis auf vier erwähnenswerte ausnahmen:

  • interessantes treffen und ausgiebiger austausch mit siegbert bartsch (67), alleinradler aus zerbst bei dessau, der mein schicksal einer im letzten jahr zwangsweise abgebrochenen ostsee-umradelung teilt;

  • der außergewöhnliche leuchtturm in köpu, dessen besuch mit seiner anschaulichen ausstellung über die bedrohte spezies der ostsee-leuchtfeuer den umweg von 22 km durch strömenden regen lohnt;

  • während der wartezeit bis zur fährabfahrt spontane einladung zum jazz-festival in söru, fährhafen zur nächsten insel saaremaa, mit erstklassigen baltischen modern jazz gruppierungen;

  • verweigern meines zeltaufbaus durch die eigner eines winzigen privaten campingplatzes in moosi bei leisi zugunsten einer mir großzügig gewährten übernachtung in komfortabler, warmer, trockener hütte.

außerdem gelingt es mir, mich mit aiki und ihrer familie nicht nur für eine gemeinsame feier des janis-tages sondern auch das anschauen des wm-vorrundenspiels ghana-deutschland zu vereinbaren – ein versöhnlicher abschluss.

so, 20.06. – moosi-mändjala – 60 km / 55 hm – 02 meist sonnig

bauernhof bei angla, saaremaa windmühle bei angla 1 windmühlen bei angla 2 meteoritenkrater bei kaali, saaremaa

altstadt kuressare, saaremaa orthodoxe kirche in kuressare, saaremaa in kuressare, saaremaa mächtige festung in kuressare, saaremaa

nicht nur schönes wetter heute, sondern eine sehr abwechslungsreiche fahrt durch eine gefällige feld- und waldlandschaft vorbei an vier windmühlen bei angla, zeugen der vielen hundert mühlen, die einst auf der insel standen, sowie an einem mit grundwasser gefüllten meteoritenkrater bei kaali. dort treffe ich auf das sympathische weltumradlerpaar anita + andi aus steyr/österreich, mit dem ich ein nettes schwätzchen halte. auch der besuch von kuressare, der hauptstadt der insel saaremaa, mit ihrer beeindruckenden burg aus dem 13. jahrhundert und den hübschen altstadtgässchen macht freude.

da passt es, dass ich am ende des tages bei mändjala einen einsamen zeltplatz in den dünen blick aufs meer finde.

mo, 21.06. – mändjala-abula – 71 km / 47 hm – 02 meist sonnig

europäischer radlertreff mit weltumfahrer anita + andi (mitte) unterwegs - ohne helm!
sumpfwiese aussicht auf die tagabucht bei veere, saaremaa

kurz nach der abfahrt am morgen treffe ich wieder auf anita + andi, und wir bleiben die nächsten 40 km zusammen, wobei es in lümanda zu einem europäischen treffen von 7 trekkingradlern aus 5 ländern kommt – belgien, deutschland, estland, österreich, schweiz – alle mit einer interessanten route. leider stelle ich bei der gelegenheit den verlust meines am morgen nicht angezogenen helmes fest – kleine sünden straft der liebe gott sofort.

ein abstecher nach norden führt durch eine sehr abwechslungsreiche und schöne landschaft von blühenden brach- und sumpfwiesen, satt-grünen feldern und dichten fichtenwäldern vorbei an ehemaligen sowjetischen bunkeranlagen und gewährt wunderbare aussichten auf die ‚tagalaht‘, die tagabucht.

auf der suche nach einem auf der karte verzeichneten, nicht leicht aufzufindenden campingplatz, ich muss dringend wäsche waschen, lande ich nach holpriger fahrt über einen äußerst rauen 3 km langen feldweg überraschend auf einem sehr gepflegten parkähnlichen gelände, wo ich nicht nur für sehr kleines geld übernachten kann, sondern auch meine komplette wäsche gewaschen und getrocknet sowie sogar noch ein erfrischendes bier gependet bekomme – full service!

die, 22.06. – abula-mändjala und zurück – 95 km / 107 hm – 05 unterschiedl bewölkt,etw regen

tehumardi mahnmal, saaremaa  in kuressare, saaremaa  idylle am wegesrand

auf abgekürzter strecke mache ich mich am morgen ohne gepäck auf zurück nach mändjala, um auf meinem dünenplätzchen der vorangegangenen nacht meinen helm wiederzufinden – ein unterfangen, das enttäuschenderweise nicht von erfolg gekrönt ist. so nutze ich aber die gelegenheit zu einem abstecher nach tehumardi, um dort das mahnmal zu einer der blutigsten schlachten des 2. weltkrieges zwischen russland und deutschland zu besuchen, bei der in einer nacht über 500 soldaten im nahkampf ihr leben ließen, sowie noch mal nach kuressare, um in der bibliothek mein tagebuch zu aktualisieren und anschließend wieder nach abula zurückzuradeln.

mi, 23.06. – abula-paaste – 69 km / 65 hm – 02 meist sonnig

panga kliff, saaremaa am panga kliff, saaremaa 1 am panga kliff, saaremaa 2
deutscher senf für estland
kleinste orthodoxe kirche estlands bei metsküla, saaremaa in kleinster orthodoxer kirche estlands

besonders der abend macht den heutigen tag zu einem erlebnis, das nachhaltig sein wird wie wenige reiseerlebnisse bisher: wie mit aiki und ihrer familie aus tallinn, die ich im vorgen jahr in der johannisnacht kennengelernt hatte, vereinbart, treffen wir uns im sommerhaus ihrer freunde im norden der insel – ein sehr herzliches wiedersehen!

mit aiki, hannes und aavo andres, triinu und johannes hanna und kadri mit anoushca

lage und stil des hauses im kiefernwald nur wenige meter vom herrlichen strand entfernt – ein einziger traum! als erstes mit aavo, dem patriarchen und besitzer des anwesens, gemeinsamer besuch der ein wenig abseits, ebenfalls direkt am strand gelegenen sauna und erfrischendes bad in der ostsee. nach dem sich dann anschließenden grillfest und angeregter unterhaltung in großer, fröhlicher runde, windgeschützt unter kiefern, natürlich mit blick auf den strand, bis 03:00 uhr morgens versammlung, unterhaltung, essen und trinken um das riesige johannisfeuer. der zwischenzeitliche 1:0 sieg der deutschen fußballer über das team aus ghana wird dabei fast zur randnotiz.

mein zeltplatz am strand von paaste, saaremaa johannisfeuer ende eines wunderbaren tages

über diesen wunderbaren, unvergesslichen abend hätte ich fast die schönheit des panga kliffs, das ich am mittag auf dem weg nach paaste passiere, oder die unterhaltung mit dortmunder auswanderern, die sich der produktion von feinschmecker-senf verschrieben haben, die nette führung durch die kleinste orthodoxe kirche estlands bei metsküla sowie meinen idyllischen zeltplatz am strand nahe des erwähnten saunahauses vergessen zu erwähnen.

do, 24.06. – paaste-hanila – 63 km / 85 hm – 02 meist sonnig

herzlicher, aber schwerer abschied damm von saaremaa nach muhu neugotische kirche in liiva
das haupthaus des guts pädaste im garten von pädaste gutshof pädaste auf muhu

mit schwerem herzen – und ähnlichem kopf – schicken mich nach einem gemeinsamen frühstück aiki und ihre freunde mit einer tränentreibenden abschiedszeremonie auf den weg, der mich zurück auf’s festland führt und auf dem ich – auf der drittgrößten, mit saaremaa über einen damm verbundenen insel estlands, muhu – eine der wenigen mittelalterlichen kirchen in estland, die neugotische st. katharina kirche aus dem 13. jahrhundert bei liiva, sowie den zu einem nobelhotel umgewidmeten gutshof pädaste in klassischer feldsteinbausweise passiere und besichtige.

einen zeltplatz für die nacht finde ich dank eines freundlichen jungen mannes auf einem privatgrundstück in hanila, nur wenige kilometer hinter dem festlands-fährhafen virtsu.

frei, 25.06. – hanila-tallinn – 134 km / 98 hm – 08 leichter regen

’seitenblick’  estnisch ist doch gar nicht so schwer - raststätte an der straße 9 nach tallinn

leider bestätigen sich die schlechten wetteraussichten für heute, so dass es für mich keinen grund zu einem weiteren aufenthalt oder gar den ursprünglich vorgesehenen abstecher zur bereits vor 3 jahren intensiv besuchten hübschen sommerhauptstadt estlands, pärnu, gibt. und so bewältige ich die strecke bis tallinn in nur einem tag, mit der schnellsten und längsten etappe der tour, denn die streckenführung durch abwechslungsarme feld-, wald- und wiesenlandschaft vorbei an ohnehin nur wenigen, unbedeutenden ortschaften bietet keinen wirklichen anlass zum zwischenstopp.

in tallinn angekommen campiere ich nochmals auf dem spartanischen campingplatz im olympischen yachthafen und richte mich auf ein wochenende in helsinki ein.

sa, 26.06. – tallinn-helsinki/fin – fährfahrt –  02 meist sonnig

abschied von talinn und estland  rückkehr nach helsinki, der endstation meiner reise

nach kurzer abermaliger besichtigung der unesco-geschützten altstadt tallinns besteige ich die fähre nach helsinki, das mich mit strahlendem sonnenschein in fröhlicher sommerlicher atmosphäre empfängt, und treffe bereits die notwendigen vorbereitungen für meinen rückflug am montag – beschaffung des verpackungsmaterials für mein fahrrad -, was sich angesichts der wegen der mittsommernachtstage geschlossenen geschäfte ziemlich problematisch gestaltet, schließlich aber dank einiger freundlicher menschen dennoch gelingt.

für die beiden nächsten nächte quartiere ich mich erneut im hostel satakuntatalo ein und hoffe, dass es morgen noch mit einem wiedersehen mit touko und olai klappt, wie sich später herausstellt dank der zum glück nicht ernsten erkrankung von olai leider vergebens.

so, 27.06. – helsinki – ruhetag – 02 meist sonnig

mo, 28.06. – helsinki-köln – heimflug  – 02 meist sonnig

 

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